Bahrain und Saudi-Arabien

Aus dem Zeit-Forum:

Sie haben insofern Recht, dass beide Staaten weit entfernt von einer akzeptablen Demokratie sind. In beiden Staaten werden Proteste dagegen unterdrückt. Allerdings weitestgehend mit Wasserwerfern und Reizgas und nicht mit scharfer Munition. Zumindest Saudi Arabien zeigt, dass es an vorsichtigen Reformen arbeitet, im Gegensatz zu Assad. Das Verhältnis von Inhaftierten, wohl auch Folterungen, und Todesopfern bei Demonstrationen ist weit entfernt vom Morden des Regimes bereits bei den Anfängen der Proteste gegen Assad. Dass man sich in der Realpolitik leider immer „die Finger schmutzig macht“, weil man sich mit den weniger Schlimmen gegen die ganz Schlimmen verbünden muss, wenn man eine ideologische Märchenwelt verlässt, sollte auch hinreichend bekannt sein. Im übrigen gefällt es mir auch nicht, dass wir Saudi Arabien aufrüsten und die Golfstaaten Islamisten in Syrien aufrüsten und nicht die demokratische Opposition. Eine westliche Intervention hätte viel verhindert. An Opfern, aber auch an dem entstandenen Einfluss von Islamisten. Diese wurden allerdings auch von Assad selbst gefördert für den Kampf im Irak gegen die USA. Im übrigen ist das größte Problem der Iran, der massiv überall im Nahen Osten versucht, mit Waffenlieferungen und politisch mitzumischen. Dass sich die Golfstaaten gegen eine vom Iran unterstützte Opposition wehren, erscheint mir verständlich.

Letztlich ist es eigentlich nichts anderes als der seit Jahrhunderten andauernde Kampf zwischen Sunniten und Schiiten, unter dem der ganze Nahe Osten zerrieben wird. Auf der einen Seite der Iran, Assad, die Hisbollah und weitere von ihnen unterstütze Rebellengruppen zum Beispiel in Jemen. Auf der anderen Seite Sunnitisch dominierte Staaten wie die Golfstaaten. Möglicherweise ist das auch der Hauptgrund, warum islamische Staaten ökonomisch auf keinen grünen Zweig kommen und weniger die rückständigen Religionen, in die man sich im Laufe der Auseinandersetzung immer wieder tiefer vergräbt.

Möglichweise stehen wir vor einem Umbruch. Dann allerdings einem sehr blutigen. Russland und Nato haben sich immer wieder auf unterschiedlichen Seiten mit spitzen Fingern engagiert um ihre Interessen zu waren. Die USA scheinen es jetzt allerdings ernst zu meinen mit einem Ende des Engagements. Zumindest Obama, an dem Clinton mit Bewaffnungswünschen für die syrische Opposition gescheitert sein soll.  Es wäre einleuchtend, denn die USA scheinen sich inzwischen weitestgehend unabhängig machen zu können, vom Ölmarkt des Nahen Ostens. Vielleicht wäre es ein Weg, sich die islamischen Staaten aneinander bis zur Erschöpfung austoben zu lassen, so wie die europäischen Religionen im Mittelalter. Und darauf zu hoffen, dass sich irgendwann auch dort die Erkenntnis durchsetzt, dass Demokratie vielleicht gar nicht so schlecht ist. Aber das hieße, dass wir ungerührt Hunderttausenden beim Sterben zusehen müssten und solange hoffen, dass keiner dieser Staaten Langstreckenraketen oder Atomsprengköpfe in die Finger bekommt. Das ist mehr als unrealistisch, wie man am Iran sehen kann. Pakistan verfügt schon darüber. Und was würde in diesem Fall mit Israel passieren?! Im Moment sehe ich jedenfalls nur, dass sich viele Menschen, die auf westliche Unterstützung für eine Demokratie gehofft hatten, bitterst enttäuscht wurden und sicherlich große Sympathien und Dankbarkeit für ihre vermeintlichen islamistischen Befreier hegen werden. Jedenfalls in Syrien.

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