Die enttäuschte Braut und der Zuhälter

Der arabische Frühling, wurde vom Westen als demokratische Erneuerung des Nahen Ostens und Nordafrikas begrüßt, das Pflänzchen verbal gewässert und gedüngt und in Libyen wurde mit militärischer Unterstützung nachgeholfen. Als das in Verkennung der Tatsache, das vieles was da frühlingshaft sprießt, keine Blüten der Demokratie sind, sondern eher islamistisches Unkraut. In Tunesien, Ägypten und Libyen ist es kippelig. Was ist mit Syrien?

Die Muslimbrüder waren schon lange eine mit allen Mitteln einer Diktatur unterdrückte Opposition in Syrien. Eine große, aber eine, die bei 60 Prozent Sunniten in Syrien kaum eine politische Mehrheit errungen hätte. Wer allerdings ohne äußeren Anstoß auf die Straße ging waren wütende Bürger, die Folter, staatlichen Mord, und Bespitzelung nicht länger ertragen wollten. Ihnen schlossen sich zunächst vor allem Demokraten an, die schon bald eine Art nationale Bürgerrechtsbewegung  initiierten. Nachdem diese vom staatlichen Unterdrückungsapparat verfolgt und beschossen wurden, kamen mehr Bürger dazu, zunehmend auch islamisch orientierte Aktivisten und Deserteure, die nicht mehr auf das Volk schießen wollten. Der Westen feuerte die Opposition an, war aber nicht bereit das einsetzende Morden Assads am eigenen Volk wie in Libyen militärisch zu unterbinden. Russland und  China verhinderten zusätzlich die völkerrechtliche Legitimation dafür. Waffen kamen aus sunnitischen Unterstützerstaaten. Dann auch ausländische Kämpfer, die dem Islamismus verbunden waren und sind.

Fast ein Jahr und offiziell über 70.000, nach Erfahrungen aus anderen Kriegen wahrscheinlich weit über 100.000 Tode (ohne die Verschwundenen) später: Assad hat mit allem, was die Militärtechnik für moderne Kriegsführung hergibt, einen großen Teil „seines“ Landes und seiner Bewohner „plattgemacht“. Massiv unterstützt von Iran und Russland. Das Volk, vor allem die demokratische Opposition, die gesehen hat, dass der sie verbal unterstützende Westen dem Morden in Libyen nicht zugesehen hat, fühlt sich vom Westen verraten und schmählich im Stich gelassen. Es hat sich den einzigen und aufopferungsvollen Unterstützern, nämlich den sunnitischen Islamisten zugewandt. Sie haben verhindert, dass das aufbegehrende Volk und seine demokratisch gedachte Revolution blutig niedergeschlagen wurde und Zehntausende hingerichtet wurden. Auch wenn es pathetisch klingt, sie haben ihr Blut für das syrische Volk vergossen. Hat der Westen da wirklich etwas anderes erwartet als Wut und Spott, wenn er darauf hinweist, dass dies Terroristen seien?! So naiv kann man eigentlich nicht sein! Ich denke, die Syrer erkennen genau, was hinter der westlichen Politik steckt. Nämlich die Hoffnung, dass sich die radikalen Gläubigen beider Lager, der Sunniten wie der Schiiten gegenseitig verschleißen oder präziser gesagt: ausrotten. Eine tolle Idee! Dazwischen wird inzwischen das Volk zerrieben. Was bleibt den Syrern zum Überleben anderes übrig, als sich den falschen Freunden an den Hals zu werfen. Manche voll Dankbarkeit sich deren politisch-religiösen Vorstellungen annähernd, Andere in der Hoffnung, diesen Spuk nach einem Sieg über Assad in den Griff zu bekommen.

Um es klar zu sagen: Der Westen hat wieder einmal nur die pragmatische Seite gesehen und die psychologische völlig außer Acht gelassen. Er hat den Kampf um die Herzen für die Demokratie schon lange verloren. Und er verliert ihn jeden Tag weiter, den er darauf wartet oder daran herumbastelt, dass sich eine unterstützungsfähige demokratische Opposition von den Islamisten löst. Sie wachsen jeden Tag inniger zusammen!

Und um es noch deutlicher zu sagen: Herr Obama hat es versiebt. Er hat in bester Absicht ein Machtvakuum entstehen lassen, das aufzufüllen jetzt sunnitische Extremisten und der Iran konkurrieren. Das wird weit über einhunderttausend Menschen das Leben kosten, es wird Israel in größte Gefahr bringen und die Europäer auch, falls dort bald Atomraketen mit einer Reichweite bis zu den europäischen Ungläubigen stehen. Und dieses Versagen und diese Toten werden wirklich imperialistischen republikanischen Nachfolgern Obamas den Vorwand für Kriege wie den gegen den Irak liefern.

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