Warum es richtig ist, Putin zu verteufeln.

 

Kurz gesagt, weil es teuflisch ist, was Putin tut und man die Dinge beim Namen nennen muss.

Wer in den Gefängnissen seines Landes foltern lässt und zumindest in tschetschenischen Gefängnissen auch morden, wer blutige Kriege in Tschetschenien und Georgien geführt hat, einen Krieg in Syrien mit bislang über 150.000 Toten und allen erdenklichen Kriegsverbrechen durch sein Veto ermöglicht und mit seinen Waffen, Rat und Tat unterstützt und wer einen Teil der Ukraine mit Waffengewalt annektiert hat, Aufstände im restlichen Land mit seinen verdeckt operierenden Kommandoeinheiten anzettelt und unterstützt und an der Grenze mit einer Invasionsarmee bereitsteht, um jeden Moment das Land zu überfallen, hat jeden Anspruch und jeden Kredit darauf kein Teufel zu sein verspielt. Putin darf sich „ehrenvoll“ bei den großen Verbrechern der Geschichte einreihen.

 

Kurzt gesagt, weil wir keine andere scharfe Waffe haben, als Putin mit den eigenen Waffen zu schlagen: Propaganda.

Will irgend jemand einen Atomkrieg mit Russland? Nein! Will jemand einen konventionellen Krieg mit Russland? Nein! Wie weit ist Putin bereit zu gehen, um seine Ziele zu erreichen? Wir wissen es nicht, aber er droht damit bis zum Äußersten zu gehen, wenn er in einer solchen aufgeheizten Lage wiederholt Interkontinentalraketen testet. Wollen wir der Ukraine helfen, ein souveräner, russlandunabhängiger, demokratischer Staat zu werden und zu bleiben? Ich denke, die meisten Menschen im Westen wollen es. Wir habe dafür drei Möglichkeiten. Die erste, die die meisten Menschen ablehnen, ist die, mit militärischem Mitteln zu drohen, zu pokern, zu bluffen. Es gilt der amerikanische Spruch: „Never point a gun at anyone that you are not willing to shoot.“ Ich fürchte, wir werden uns trotzdem darauf besinnen müssen, dass Freiheit und Demokratie, die von Generationen blutig erkämpft wurden, nicht garantiert sind, für immer friedlich erhalten zu bleiben. Ich fürchte aber auch, dass Putin als alter KGBler beim Pokern die besseren Nerven hat, dass er einen höheren Preis in Form von Blut und Leben anderer Menschen zu zahlen bereit ist und dass er vorsichtig ausgedrückt psychologisch zu instabil ist (*), als dass man nicht Schlimmstes, vielleicht in letzter Konsequenz sogar das Drücken des roten Knopfes, von ihm befürchten muss. Will man es also auf keinen Krieg mit Putin ankommen lassen, sei es jetzt um die Ukraine, oder möglicherweise später um Natostaaten, bleiben nur die Möglichkeiten, ihn wirtschaftlich in die Knie zu zwingen, was bisher noch mit keinem Staat funktioniert hat, oder ihn auf dem Gebiet der Propaganda und der psychologischen Kriegsführung zu schlagen. Dazu aber gehört an allererster Stelle Geschlossenheit gegen seine Bemühungen die Nato und die einzelnen Bürger mittels falscher Behauptungen, Unterstellungen und Tatsachenverdrehungen jeglicher Art auseinander zu dividieren. Wenn wir zur Freude vieler linker wie rechter Putinanhänger bei uns lustvoll in den eigenen Wunden bohren, unsere vermeintlichen Fehler analysieren, Nestbeschmutzung betreiben, vor der eigenen Haustür lieber als vor der anderer kehren, demokratische Unterstützer und Freunde kritisieren und verteufeln, leiten wir einen breiten kraftvollen Strahl auf Putins Mühlen. Nicht dass es nicht gute Gründe für solche Kritik gäbe, aber es gibt bessere Zeiten dafür! Bei Gefahr sollte man zusammenhalten und sich nicht untereinander prügeln.

Die ukrainische, die deutsche und die amerikanische Regierungen können keinen Satz äußern, der nicht von russichen Propagandamedien (andere gibt es praktisch nicht) genussvoll auseinandergenommen und sinnentstellend neu zusammengesetzt wird. Die meisten deutschen Medien, denen paradoxerweise dabei auch noch prowestliche Propaganda vorgeworfen wird, plappern diesen Unsinn brav nach, meistens auch noch ohne ihn zu hinterfragen. Wo bleiben in den deutschen Medien die Berichte von Amnesty über die Verhältnisse in Tschetschenien und in russischen Straflagern, wo die über Kriegsverbrechen? Warum ist es keinem deutschen Medium aufgefallen, dass Putin in seiner Pressekonferenz zur Krim völlig unverhohlen mit menschlichen Schutzschilden, also mit Kriegsverbrechen gedroht hat? Wo bleiben die Berichte über russische Programme zur automatisierten Beeinflussung von sozialen Netzwerken, wo die Berichte über die flächendeckende russische Überwachung jeglichen Datenverkehrs, wo die über russische Zensur? Wo liest man, dass es russische Raketen gegen den angeblichen US-Raketenabwehrschirm um Kaliningrad gibt, aber bisher nicht eine einzige US-ABWEHR-Rakete in Polen? Wohin man blickt nur Snowden. In jedem Medium eine tägliche Dosis. Diese Medien – besonders der renomierte Spiegel – sind für Putin nützlicher als hunderte von Panzern! (kleiner Nachtrag: Hinweise auf diesen Blogbeitrag wurden im Zeit-Forum gelöscht.)

 

Kurz gesagt, weil eine geschlossen Ablehnungsfront, die nicht öffentlich an sich selbst zweifelt, oder sich gar selbst zerfleischt, das einzige ist, was Putin evtl. stoppen kann.

Denn er setzt auf „divide et impera“. Darauf dass er Europa und die USA, Europa in sich , dabei besonders Deutschland vom Rest Europas und Deutschland in sich auseinandertreiben kann. Denn in keinem anderen europäischen Land scheint er so intensiv Propaganda zu betreiben und mit ihr auch so erfolgreich zu sein. Vermutlich setzt und kann er auch zu recht auf viele noch treue Genossen im Ostteil Deutschlands setzen. Es wäre nicht verwunderlich, wenn er dabei auf die Zusammenarbeit mit ehemaligen Funktionären bei der Staatssicherheit au seiner Zeit als KGB-Agent in der DDR zurückgreifen kann.

Kremlfinanzierte „NGOs“ veranstalten Diskussionsrunden, Vorträge und Podiumsdiskussionen mit allen namenhaften russischen Unterstützern. Bevorzugt aus dem rassistisch-faschistisch eingefärbten Querfrontbereich. Elsässer, Eva Herman, der Kopp-Verlag, Scholl-Latour oder Sarazzin lassen sich zum Beispiel dafür einspannen. (https://criticusnixalsverdruss.wordpress.com/2014/04/07/die-putin-apologeten-1-jurgen-elsasser/) Bei Elsässer findet sich neben der Nähe zu Wehrsportgruppen-Hoffmann, NPD-Referenten und NSU-Unterstützern auch eine Sympathie für Alexandr Dugin, den eurasistischen Ideologen, Moskauer Hochschullehrer und Putinberater. Und der führt weiter zum nächsten Punkt:

 

Kurz gesagt, weil man Putin leider im Moment alles Teuflische zutrauen muss.

Abgesehen davon, dass Putin sich sozusagen auf einen Weg ohne Wiederkehr begeben hat, weil er nach seinen aggressiven Akten, die von der ganzen Weltgemeinschaft verurteilt werden (höchsten von China nicht ganz so laut.), keine Chance mehr hat, dass ihm genug Vetrauen für Verträge und Verhandlungen entgegengebracht werden könnte, die seinen Interessen dienen könnten, wird sein rassistisches Profil immer deutlicher. Der Einfluss Alexandr Dugins und des Rassisten Julius Evola, der schon Mussolini und die Nazis beeinflusste, wird deutlich, wenn man sich Passagen aus seinem Fernsehauftritt vom 17.4.2014 anschaut. (http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/europa/fernsehauftritt-in-moskau-schoener-sterben-mit-putin-12900846.html)

„Russlands Präsident verlas eine der angeblich zweieinhalb Millionen Fragen, die ihn aus Anlass der Sendung „Direkter Draht“ erreichten: „Was ist für Sie der russische Mensch, das russische Volk? Seine starken und schwachen Seiten?“ Putin antwortete, viele Fachleute seien der Ansicht, ein Volk habe keine Besonderheiten, es gebe nur den konkreten Menschen. Dem sei nicht zuzustimmen, sagte Putin und nannte die gemeinsame Sprache und Geschichte und das Zusammenleben auf einem Gebiet sowie den „Austausch von Genen“ über Hunderte, ja Tausende Jahre als Wesensmerkmale eines Volkes. „Mir scheint, dass der russische Mensch, der Mensch der russischen Welt, vor allem daran denkt, dass es irgendeine höhere moralische Bestimmung des Menschen gibt“, sagte Putin.

Das sei im Westen anders, wo gelte, je erfolgreicher jemand sei, desto besser. In Russland aber fragten sich sogar sehr reiche Leute: Was nun? Denn der russische Mensch richte sich nicht auf sich selbst, sondern „entfaltet sich nach außen. Bei uns ist der persönliche Erfolg nicht genug“, so Putin. „Nur in unserem Volk konnte die Redensart entstehen: ‚Vor der Welt ist auch der Tod schön.’ Das heißt, der Tod für den anderen, für sein Volk.“ Darin lägen die „tiefen Wurzeln unseres Patriotismus“, auch das „massenhafte Heldentum“ im Krieg. Viele Völker hätten eigene Vorteile, „aber das ist unser“. Und auch wenn es in der heutigen Welt viel Austausch gebe, auch von Genen, und Russland von anderen Völkern manches aufnehmen könne, „werden wir uns immer auf unsere Werte stützen“.“

Zusammengefasst ist das Rassismus in Reinstform. Neben der Kultur machen die Gene das Wesen des russischen Volks aus und dieses fühlt sich zu Höherem berufen als dem schnöden materiellen Erfolg, dem der Westen hinterherrennt. Dafür ist es bereit sein Leben zu geben und das ist die Wurzel für russischen Patriotismus. Diese Werte werden sich genetisch gegen Einflüsse von außen durchsetzen. Man ersetze nur das Wort „Gene“ durch „Blut“ und „russisch“ durch „deutsch“. Hitler hätte es kaum anders gesagt.

Sollte es da verwundern, wenn auch schon eine Kulturdoktrin in der Schublade bereitliegt, die frappierend an die „Entartete Kunst“ des dritten Reichs erinnert? Sie grenzt russische Kultur scharf vom westlichen, als „beliebig“ kritisierten Verständnis von Toleranz und Multikulturalismus ab. Künstlerische Freiheit dürfe nicht dazu verwendet werden, „Werte, die für das traditionelle russische Wertesystem nicht annehmbar“ seien, zu vertreten. (http://diepresse.com/home/politik/aussenpolitik/1596081/Russland_Eine-PutinDoktrin-fur-die-Kultur?direct=1596230&_vl_backlink=/home/politik/aussenpolitik/1596230/index.do&selChannel=103)

Schaut man sich Putins Idee einer eurasischen Wirtschatsgemeinschaft an, landet man auch wieder beim Nationalbolschewisten Dugin. Putin will wie dieser eine (vorgeblich nur visa- und zollfreie) eurasischen Union von LISSABON bis Wladiwostok. Mit „Integrationsstrukturen einer ganz neuen Klasse“. Dies sei „eine reale Integration mit der Aussicht, einen Teil der Funktionen an eine übernationale Machtstruktur zu übergeben“ Also einer Machtstruktur, die den Einzelstaaten wenig eigene Souveränität lässt. (https://criticusnixalsverdruss.wordpress.com/2014/03/23/684/) Nirgendwo wird gesagt, ob man beabsichtigt, beispielsweise Lissabon um Einverständnis zu fragen, oder in welcher Form. Liest man allerdings bei Dugin nach, kann man sich sicher sein, dass niemand im Westen gefragt werden soll!

Man kann also sagen, Putin bekämpft nicht einen Faschismus, den er skrupellos aufbläst und selbst inszeniert, weil keiner der Betroffenen sich je durch ihn bedroht fühlte, sonder er exportiert einen viel schlimmeren Faschismus von Russland in die Ukraine und per Propaganda nach Europa. Er hat auch folgerichtig keinerlei Berührungsängste mit  westeuropäischen Faschisten zusammenzuarbeiten, wenn er sie zum Beispiel als Propagandisten oder Wahlbeobachter braucht. Wenn es wirklich eine faschistische Gefahr gibt, dann ist Wladimir Putin die größte Gefahrenquelle von allen. Denn im Gegensatz zu anderen hat er Macht!

 

* Der Fernsehauftritt Putins lieferte noch einen anderen interessanten Aspekt der Persönlichkeit Putins. (http://www.spiegel.de/politik/ausland/snowden-fragt-putin-nach-spionage-in-russland-a-965066.html) Auf die Frage „Herr Putin, wann stellen Sie uns die neue First Lady vor“, antwortete Putin: „Ich muss erst meiner Ex-Frau helfen, einen neuen Mann zu finden. Dann kann ich selbst auf die Suche gehen.“

Ein Mann, der sich von seiner Frau scheiden lässt, dann aber meint, er müsse sich um einen neuen Mann für sie kümmern, scheint mir pathologisch unter dem Drang zu stehen, andere Menschen zu kontrollieren und bevormunden. Dieses ist häufig Ausdruck einer narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Zufällig veröffentlichte der Spiegel zeitgleich einen Artikel über den FBI-Profiler Joe Navarro und dessen Checklisten zur Einschätzung von Psychopaten. Darunter gibt es auch eine Checkliste für narzisstische Störungen: (http://www.spiegel.de/panorama/checkliste-von-joe-navarro-hinweise-auf-narzisstische-persoenlichkeiten-a-964707.html) Bei dem Versuch, diese nach bestem Wissen und Gewissen für Putin auszufüllen, habe ich kaum einen Punkt gefunden, den man nicht ankreuzen müsste.

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Ein Gedanke zu „Warum es richtig ist, Putin zu verteufeln.

  1. Im großen und ganzen ein super Blog! (Hab noch den link von der Zeit abgreifen können 😉

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