Noch ein Hitlervergleich

Ich möchte auch diesem Beitrag nochmal einige Sätze Hitlers voranstellen. Warum? Es gab bereits zahlreiche Vergleiche von Putin und Hitler, die heftig kritisiert wurden, obwohl ein Klick auf Wikipedia reicht, um zu sehen wie berechtigt solche Aussagen wie die von Wolfgang Schäuble oder Hillary Clinton sind. Allerdings würde ich gerne einen meiner Meinung nach bisher wenig beleuchteten Aspekt hinzufügen. Gemeinhin denkt man an Göbbels, wenn man an Propaganda im Zusammenhang mit dem Dritten Reich denkt. Aber ich vermute, auch Hitler selbst hatte ein ähnlich obzessives Verhältnis zu Propaganda wie Vladimir Putin oder dessen „Macher“.

Im Buch „Mein Kampf“, das 1927 gedruckt wurde, finden sich folgende Sätze:

„Aber die Genialität der Aufmachung der Propaganda wird zu keinem Erfolg führen, wenn nicht ein fundamentaler Grundsatz immer gleich scharf berücksichtigt wird. Sie hat sich auf wenig zu beschränken und dieses ewig zu wiederholen. Die Beharrlichkeit ist hier wie bei so vielem auf der Welt die erste und wichtigste Voraussetzung zum Erfolg.“

„Propaganda ist jedoch nicht dazu da, blasierten Herrchen laufend interessante Abwechlung zu verschaffen, sondern zu überzeugen, und zwar die Masse zu überzeugen. Diese aber braucht in ihrer Schwerfälligkeit immer eine bestimmte Zeit, ehe sie auch nur von einer Sache Kenntnis zu nehmen bereit ist, und nur einer tausendfachen Wiederholung einfachster Begriffe wird sie endlich ihr Gedächtnis schenken.“

„Jede Reklame, mag sie auf dem Gebiet des Geschäftes oder der Politik liegen, trägt den Erfolg in der Dauer und gleichmässigen Einheitlichkeit ihrer Anwendung.“

Hitlers Anforderung an Propaganda war also schlicht: zugespitzt, wiedererkennbar, einfach und oft. Und sie bediente sich dabei bestimmter Grundmuster der NS-Symbolik. Ein Beispiel – der aufgekrempelte Ärmel

Genau der gleichen Schlichtheit, die schon bei den Plakaten zum sogenannten Krimreferendum augenfällig wurde und der auch sonst gleichen Struktur, bedient sich bewusst die russische Propaganda beim Thema Ukraine. Und bediente und bedient sich auch die angebliche syrische Propaganda. Man müsste beide Augen zukneifen, um zu übersehen, dass ein großes Segment der russischen und die syrische Propaganda sich gleichen wie ein Ei dem anderen. Angefangen von den Gruppenfotos einzelner Einheiten, die gebildet werden, bevor sie in den Kampf ziehen. Über Hacking und Missbrauch des Designs von Internetseiten wichtiger Medienhäuser und Menschenrechtsorganisationen, Youtubekanäle mit häufig blutrünstigsten diffamierenden, höhnischen, hetzerischen und oft gefälschten Videos, zunehmend auch Videos die nicht nur staatliche Propagandabeiträge russischer Medien ins Netz tragen, sondern auch Kanäle mit Pseudonachrichten, die lediglich eine kommentierte Aneinanderreihung von Propagandafilmen sind, bis zu eine Flut von Tweets und Einträgen in Foren und Netzwerken mit ähnlichen manipulativen Inhalten, die vor wertenden Adjektiven, Unterstellungen, Weglassungen und Tatsachenverdrehungen strotzen. Und alle paar Schritte stopert man über Truth oder die Wahrheit. Wie schon bei der Zeitung „Prawda“ ein Begriff, der sich plakativ durch die russische Geschichte zieht, seit dort besonders viel gelogen wird. Vermutlich eine Inspiration für George Orwells „Wahrheitsministerium“.

5faba52e6d310e11696d71a01e7dc508noch moderner,getarnter und genauso professionell:

Screenshot (150)

Besonders augenfällig ist aber die optische Parallele zwischen Nazipropaganda und antiukrainischer Propaganda aus Russland. Die Ähnlichkeit kann kein Zufall sein. Es muss darum gehen, neben dem direkten Nebeneinanderstellen von Naziverbrechen und Ereignissen wie z.B. in Odessa und auch durch die Verwendung bekannter Nazisymbolik oder sogar dem Abändern alten Propagandamaterials aus dem Dritten Reich eine unterbewusste Angst bezüglich dieser Zeit zu mobilisieren und sie auf NATO-Politiker, die ukrainische Regierung, oder sogar alle Nichtseparatisten in der Ukraine zu übertragen.

Hier wird das Design alter Plakate verwendet:

Ohne Titel-4

Und hier wird künstlich vergilbt und zerknittert um den gewollten historischen Bezug noch eindringlicher zu gestalten:

Ohne Titel-8

Und hier wurde gleich der US-Kongress angezündet, statt des Reichstags, um eine Odessaassoziation herzustellen:

Ohne Titel-6

Die Abänderung alter Nazipropaganda mit maximalem Wiedererkennungswert:

Ohne Titel-3 Kopie_ss

nederlanders

BpWUbgyIUAAm02L.jpg largeGefunden bei http://www.veooz.com/media/hHCgpVD/gallery

Wie man sieht, wurde die Schrift sogar entgegen dem Original in Fraktur umgewandelt, um dem Bild ein noch „deutscheres“ Aussehen zu verleihen.

Ein Videobeispiel.  Der veröffentlichende Blog „Propagandaschau“ beginnt im September 2013 beim Thema Chemiewaffen in Syrien. Er ist ausschließlich auf die Diskreditierung deutscher Medien ausgerichtet. Auch in diesm Fall wieder mittels Vergleichen mit dem Naziregime. In einem Video einen Tagesschausprecher lippensynchron mit dem Ton einer Wochenschau aus dem 3. Reich zu schneiden, erfordert gute Software, Professionalität und ein großes Archiv. Darüber verfügen keine deutschen Querfrontler. Dieses Video dürfte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit aus den Schnitträumen von Russia Today stammen. Und es ist nur für die deutsche Zielgruppe produziert. Nicht um sie von der Richtigkeit des russischen „Engagements“ in der Ukraine zu überzeugen, sondern um Misstrauen und Ablehnung gegen die eigenen Medien und die eigene Regierung zu sähen.

Abgesehen von der offenkundigen Absicht, die Angst vor Naziterror auf westliche, ukrainische Politiker und die ukrainischen Bürger zu übertragen, gibt es allerdings noch die Frage, ob die Macher dieser Propaganda nicht selbst eine große Affinität zu Nazisymbolik haben. Sie ist zwar häufig zu professionell gemacht, um aus der Hand von ein paar Separatisten zu kommen, aber sie scheint nach meinem Eindruck auch nicht durchgehend aus offiziellen Regierungsstellen zu kommen. Was allerdings nicht weiter verwunderlich ist, da es eine sehr enge Verzahnung von staatlicher Propaganda wie z.B. Russia Today und Propagandainstitutionen wie Global Research gibt, die dem faschistischen Querfront-Umfeld von Alexandr Dugin zuzuordnen sind. Wie schon an anderer Stelle geschrieben, landet man, wenn man Veröffentlichungen von Herrn Dugin sucht, sofort auf Seiten wie dem „Daily Stormer“ (täglicher Stürmer) eines Herrn Anglin, der auch eine Seite „Total Fascism“ betreibt. Wenn also diese Propaganda aus dem Umfeld von Dugin kommen sollte, braucht man die Vorlagen für die antiukrainische Propaganda nur von den eigenen Seiten zu kopieren: h t t p://www.totalfascism.com/fascist-friday-wrap-up-back-in-the-saddle-again/

Ein weiteres Beispiel, dessen Präsents im Internet sich mindestens bis Mai 2013 zurückverfolgen lässt belegt, dass an der Destabilisierung und Spaltung Europas schon länger gearbeitet wird als seit der Annexion der Krim oder den ersten Demonstrationen auf dem Maidan.

nazsaprop

EU-Faschismus_FahneAuch das weist in eine bräunliche eurasische Ecke. Man sollte sich allerdings nicht täuschen. Entweder Herr Putin ist nicht Herr im Hause Russland und Getriebener der faschistischen eurasischen Bewegung, oder diese ist seine Propagandaabteilung, die mit seinem Willen und Auftrag agiert. Auch in allen staatlichen Medien.

Eine mögliche Quelle?: http://anton-shekhovtsov.blogspot.de/2014/01/italian-fascist-socialists-call-for.html

I want to start this article with a comparison to Hitler too. Why? There already were quite an few comparisons which were criticized intensely though a click on Wikipedia is enough to see how justifiable the statements of Hillory Clinton and Wolfgang Schäuble were. But I want to add an aspect, that I believe has not been taken into account as it should has been until now. If someone thinks about propaganda in the Third Reich normally the name Goebbels comes to mind. But I’m convinced Hitler himself had a likewise obsessiv relation to propaganda as Putin or his makers.

The following sentences are to be found in the book „Mein Kampf“:

„But the brilliance of the presentation of the propaganda won’t lead to any success if a fundamental principle isn’t always taken into account just sharply. It has to restrict itself on few and repeat this eternally. The persistence is the first and most important prerequisite as in the case of so much for the success here in the world.„

„Propaganda, however, isn’t here to provide blasé masters constantly with interesting variety but to convince constantly. And to be more precise to convince the mass. However, in its heaviness it always needs a particular time before it is ready to take knowledge of something and also only of one thing and it finally will give its memory to only a thousandfold repetition of simplest concepts.“

“Every advertisement may it be on the field of the business or the politics, carries the success in the duration and even homogeneity of its application. ”

So Hitler’s requirement on propaganda was simple: sharpened, re-recognizable, simple and often. And it made use of certain basic patterns of the NS symbolism. An example: the rolled up sleeve:

will be continued

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s