Eine (noch?) nicht gehaltene Rede

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Ich habe in Wirklichkeit keinen Grund, für die Entscheidungen der EU-Außenminister Entschuldigungen vorzubringen; denn welche Wahl hatten wir? Nichts von dem, was wir hätten unternehmen können, nichts von dem, was die USA oder die Nato hätten unternehmen können, wäre dazu angetan gewesen, die Ukraine vor einem Einmarsch und einer Annexion zu bewahren. Selbst wenn wir später zu militärischen Mitteln gegriffen hätten, um Russland für sein Vorgehen zu strafen, und wenn wir nach den furchtbaren Verlusten, die allen Teilnehmern an einem Kriege zugefügt worden wären, schließlich siegreich gewesen wären, würde es uns niemals möglich gewesen sein, die Ukraine in derselben Form wieder aufzurichten, die sie 1991 gefunden hatte. …

Als ich nach Moskau fuhr, hatte ich gehofft, durch persönlichen Kontakt Herr Putins Vorstellungen herauszufinden und ob die Möglichkeit besteht, dass er an einem solchen Programm mitarbeiten würde. Nun gut, da wir uns mitten in einer Krisensituation befanden, war die Atmosphäre unserer Unterredung keine besonders erfreuliche. Trotzdem hatte ich in den Pausen unserer offizielleren Gespräche einige Möglichkeiten mit ihm zu reden und mir seine Ansichten anzuhören und gewann dabei den Eindruck, dass die Ergebnisse nicht allzu unbefriedigend seien. Als ich nach meinem zweiten Besuch zurückkam, berichtete ich dem Bundestag von einer Unterredung, die ich mit Herrn Putin hatte. Ich sagte, dass er mit großem Ernst wiederholte, was er schon in Genf gesagt hatte, nämlich dass dies sein letzter territorialer Anspruch in Europa sei und dass er keine Menschen anderer Volkszugehörigkeit als der russischen in die Russische Föderation integrieren möchte. …

Nach der Proklamation, die wir aus Luhansk und Donezk hören, ist das Donbass wie schon die Krim von Russland annektiert worden. Nicht-Russen, natürlich auch Ukrainer, sind unter russischen Schutz im russischen Protektorat gestellt. Sie unterliegen den politischen, militärischen und wirtschaftlichen Bedürfnisse der russischen Föderation. Sie sind Selbstverwaltungsstaaten, aber die russische Föderation übernimmt die Verantwortung für ihre Außenpolitik, ihre Finanzen, ihre Ausgaben, ihre Bankreserven und die Ausrüstung der entwaffneten ukrainischen Streitkräfte. Vielleicht dass schlimmste von allem was wir hören, ist das Auftreten des FSB, der Geheimpolizei, gefolgt von den üblichen Geschichten von Massenverhaftungen von prominenten Personen, mit Folgen, mit denen wir alle vertraut sind. …

Jetzt wird uns gesagt, dass diese Beschlagnahme von Territorium durch Unruhen in der Ukraine notwendig geworden sei. Uns wird gesagt, dass die Verkündung der neuen russischen Protektorats gegen den Willen einiger weniger seiner Bewohner durch Störungen unvermeidlich wurde, die den Frieden und die Sicherheit ihres mächtigen Nachbarn bedroht hätten. Wenn es Störungen gab, wurden sie nicht von außen geschürt? Und kann jemand außerhalb Russlands die Idee ernst nehmen, dass sie eine Gefahr für das große Land sein könnten, dass sie eine Rechtfertigung für das, was passiert ist sein könnten?

Russland hat unter seinem gegenwärtigen Regime der Welt eine Reihe unangenehmer Überraschungen bereitet. Tschetschenien, Georgien, die Unterstützung Assads, alle diese Vorkommnisse haben die öffentliche Meinung der ganzen Welt vor den Kopf gestoßen und beleidigt. …

Die Ereignisse aber, die im Laufe der letzten Wochen unter kompletter Missachtung der von der Russischen Regierung selbst mit unterzeichneten Übereinkommen Platz gegriffen haben, scheinen mir in eine andere Kategorie zu fallen und müssen uns alle veranlassen, an uns selbst die Frage zu richten: “Ist das das Ende eines alten Abenteuers oder ist es der Anfang eines neuen?”“Ist es der letzte Angriff gegen einen kleinen Staat oder werden ihm weitere folgen? Ist dies in Wirklichkeit ein Schritt in der Richtung eines Versuchs zur Weltherrschaft durch Gewalt? “

Ich habe in Wirklichkeit keinen Grund, für meine im letzten Herbst stattgefundenen Besuche in Deutschland Entschuldigungen vorzubringen; denn welche Wahl hatten wir? Nichts von dem, was wir hätten unternehmen können, nichts von dem, was Frankreich oder Rußland hätten unternehmen können, wäre dazu angetan gewesen, die Tschecho-Slowakei vor einem Einmarsch und der Vernichtung zu bewahren. Selbst wenn wir später zum Kriege geschritten wären, um Deutschland für sein Vorgehen zu strafen, und wenn wir nach den furchtbaren Verlusten, die allen Teilnehmern an einem Kriege zugefügt worden wären, schließlich siegreich gewesen wären, würde es uns niemals möglich gewesen sein, die Tschecho-Slowakei in derselben Form wieder aufzurichten, die sie durch den Frieden von Versailles gefunden hatte. …

Als ich nach München fuhr, hatte ich gehofft, durch persönlichen Kontakt Herr Hitlers Vorstellungen herauszufinden und ob die Möglichkeit besteht, dass er an einem solchen Programm mitarbeiten würde. Nun gut, da wir uns mitten in einer Krisensituation befanden, war die Atmosphäre unserer Unterredung keine besonders erfreuliche. Trotzdem hatte ich in den Pausen unserer offizielleren Gespräche einige Möglichkeiten mit ihm zu reden und mir seine Ansichten anzuhören und gewann dabei den Eindruck, dass die Ergebnisse nicht allzu unbefriedigend seien. Als ich nach meinem zweiten Besuch zurückkam, berichtete ich dem House of Commons von einer Unterredung, die ich mit Herrn Hitler hatte. Ich sagte, dass er mit großem Ernst wiederholte, was er schon in Berchtesgaden gesagt hatte, nämlich dass dies sein letzter territorialer Anspruch in Europa sei und dass er keine Menschen anderer Rassen als der deutschen in das Reich integrieren möchte. …

Nach der Proklamation, die gestern in Prag verlesen wurde, sind Böhmen und Mähren vom Deutsche Reich annektiert worden. Nicht-deutsche Einwohner, natürlich auch Tschechen, sind unter den deutschen Schutz im deutschen Protektorat gestellt. Sie unterliegen den politischen, militärischen und wirtschaftlichen Bedürfnisse des Reiches. Sie sind Selbstverwaltungsstaaten, aber das Reich übernimmt die Verantwortung für ihre Außenpolitik, ihre Finanzen, ihre Ausgaben, ihre Bankreserven und die Ausrüstung der entwaffneten tschechischen Streitkräfte. Vielleicht dass schlimmste von allem was wir hören, ist das Auftreten der Gestapo, der Geheimpolizei, gefolgt von den üblichen Geschichten von Massenverhaftungen von prominenten Personen, mit Folgen, mit denen wir alle vertraut sind. …

Jetzt wird uns gesagt, dass diese Beschlagnahme von Territorium durch Unruhen in der Tschechoslowakei notwendig geworden sei. Uns wird gesagt, dass die Verkündung der neuen deutschen Protektorats gegen den Willen seiner Bewohner durch Störungen unvermeidlich wurde, die den Frieden und die Sicherheit ihres mächtigen Nachbarn bedroht hätten. Wenn es Störungen gab, wurden sie nicht von außen geschürt? Und kann jemand außerhalb Deutschlands die Idee ernst nehmen, dass sie eine Gefahr für das große Land sein könnten, dass sie eine Rechtfertigung für das, was passiert ist sein könnten?

Deutschland hat unter seinem gegenwärtigen Regime der Welt eine Reihe unangenehmer Überraschungen bereitet. Das Rheinland, der österreichische Anschluß, die Abtrennung des Sudetenlandes, alle diese Vorkommnisse haben die öffentliche Meinung der ganzen Welt vor den Kopf gestoßen und beleidigt. …

Die Ereignisse aber, die im Laufe dieser Woche unter kompletter Missachtung der von der Deutschen Regierung selbst festgelegten Prinzipien Platz gegriffen haben, scheinen mir in eine andere Kategorie zu fallen und müssen uns alle veranlassen, an uns selbst die Frage zu richten: “Ist das das Ende eines alten Abenteuers oder ist es der Anfang eines neuen?”“Ist es der letzte Angriff gegen einen kleinen Staat oder werden ihm weitere folgen? Ist dies in Wirklichkeit ein Schritt in der Richtung eines Versuchs zur Weltherrschaft durch Gewalt? “

Die komplette Originalrede Chamberlains vom 17. März 1939:

http://avalon.law.yale.edu/wwii/blbk09.asp

 

 

 

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