Zum neuen Jahr

Auch wenn ich meine große Sorge nicht verhehlen kann und will, dass  das kommende Jahr das  schlimmste Jahr mindestens seit dem Ende des 2. Weltkriegs werden könnte, wünsche ich fast allen Menschen ein gutes  und gesundes Jahr 2015. Besonders wünsche ich es allen Flüchtlingen und allen, die in zerstörten Häusern und Kellern ausharren, häufig frierend und die jeden Augenblick damit rechnen müssen, dass eine Bombe, eine Rakete, oder ein Artilleriegeschoss ihrem Leben oder dem ihrer Liebsten ein Ende setzt. Vor allem in der Ukraine, in Syrien, Libyen und anderen Ländern des Nahen Ostens. Auch denen, die in russischen und vor allem in nordkoreanischen Straflagern dahinvegetieren. Oder in syrischen oder tschetschenischen Gefängnissen und Folterkellern. Die von ISIS bedroht sind. Und auch denen, die unter nicht von Menschen verursachter Not leiden, wie die von Ebola Betroffenen in Afrika, oder den Opfern von Naturkatastrophen.
Den Menschen in Russland wünsche ich die Erkenntnis, dass nationale Größe nicht aus den Läufen von Sturmgewehren oder Panzerkanonen kommt, sondern aus Universitäten und Forschungslaboratorien, aus den Büchern der nationalen Autoren, von den Bühnen der Theater und Konzerthäuser. Dass es Regierenden, die nationale Größe versprechen, immer nur um ihre eigene Größe, um ihre eigene Macht und um ihren eigenen materiellen Besitz geht. Dass man sich für vergossenes Blut nichts kaufen kann, was einen zufrieden macht.
Den Menschen in Russland, in Europa, aber  vor allem in Deutschland wünsche ich die Erkenntnis, dass sie zur Zeit das gleiche mit sich geschehen lassen, wie die Deutschen in den dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts. Nur dass es heute nicht  Der Stürmer, der Völkische Beobachter und Volksempfänger sind, denen sie sich anvertrauen, sondern zum Beispiel Russia Today, die Stimme Russlands, oder Compact aber vor allem einer unabsehbaren Zahl von Youtubekanälen, Blogs und Internetforen, die weit gefährlicher sind, als staatliche oder kommerzielle Medien, weil sie suggerieren, dass sie die Meinung einfacher Bürger formulieren, obwohl sie mehr oder weniger direkt von Russland gesteuert werden. Darüber hinaus Menschen in den Medien und in der Politik, die ihnen die gleichen Märchen erzählen wie die russische Propaganda, weil sie dafür Geld oder geldwerte Vorteile  erhalten. Einige wenige vielleicht auch weil sie nur strohdumm sind und nie gelernt haben, was Recht und was Unrecht ist. Ich wünsche ihnen die Erkenntnis, dass die europäischen Medien nicht lügen, nur weil die russischen oder russisch gesteuerten „Alternativmedien“ behaupten, dass sie lügen, während sie selbst Lügen verbreiten. Die Erkenntnis, dass Montagswachen und Pegida nur Nuancen von auf die Straße getragenen Ideologien sind, die vielleicht nicht alle gesteuert und finanziert werden von Russland, die aber auf alle Fälle die Basis für die Selbstzerstörung Europas sind, auf die Putin hofft, um Europa in die von ihm angestrebte Eurasische Union integrieren zu können. Unter Ausschluß der USA, d.h. wirtschaftlich an Russland gebunden, das ohne Energieexport ein bettelarmes Entwicklungsland wäre. Die Erkenntnis, dass die beklagten Flüchtlingsströme nach Europa weit überwiegend nur eine Ursache haben. Nämlich den tödlichen Kampf Russlands um den Erhalt der Diktaturen, auf die der Kreml seine geopolitische Macht stützt. Dass diese Menschen nur deshalb zu uns kommen, weil sie zuhause keinerlei Hilfe gegen diesen Machtkampf von den westlichen Staaten erhalten, die sich jahrzehntelang mit ihrem Eintreten für Demokratie und Menschenrechte gebrüstet haben und es schamlos immer noch tun. Ich wünsche ihnen die Erkenntnis, dass falsch verstandener Pazifismus morden hilft.
Ich wünsche den Menschen, die in der Ukraine und im Nahen Osten, aber zum Beispiel auch in Afghanistan, angefangen haben für Selbstbestimmung und demokratische Staaten zu kämpfen,  nicht aufgeben, weil sie erleben, dass der Westen diese Werte verrät, die er predigte. Ich wünsche ihnen, dass der Westen ihnen endlich wirklich zu Hilfe kommt. Dass auch dem Westen Menschenleben wieder wichtiger werden als Märkte und Geopolitik.
Einigen Menschen wünsche ich nichts Gutes für 2015. Es sind die, die andere Menschen für ihre Interessen ermorden lassen. Durch die Macht, die sie innehaben, vor Strafverfolgung geschützt. Nicht nur in Russland, aber zur Zeit vor allem in Russland. Zum Wohle der restlichen Menschheit wünsche ich ihnen ein schnelles Ableben!

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Ein Gedanke zu „Zum neuen Jahr

  1. Danke für diese Worte zum Jahreswechsel 2015!

    Ich wünsche für Sie und uns alle, vor allem für die gequälten Menschen weltweit, ein besseres Jahr als das vergangene es war. Manchmal geschehen Wunder – ich habe selbst etliche erleben dürfen….

    Alles Gute!

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