Wenn jeder Politiker für Arschlöcher hält, werden auch nur noch Arschlöcher Politiker.

Ein paar Gedanken zum G7-Treffen in Lübeck: Auf der Facebookseite des Auswärtigen Amtes wurde der Sinn und Nutzen des Treffens u.a. damit gerechtfertigt, dass man eng zusammenarbeiten müsse, um Konflikte wenigstens zu entschärfen. Der Anspruch, Konflikte um jeden Preis „wenigstens zu entschärfen“, verkennt meiner Meinung nach, dass dazu mindestens zwei gehören. Politik wird von Menschen gemacht und je weniger demokratisch eine Regierung ist, desto mehr wird die Politik eines Landes von dem Charakter einzelner Politiker bestimmt. Und bei denen gibt es, wie wir aus der Geschichte wissen, ein breites Spektrum. Da sich in der Praxis leider immer noch nicht gerade die wohlmeinensten und empathiefähigsten bis in die Spitze der Politik durchsetzen, darf man nicht zu viel von ihnen erwarten. Je mehr die Bürger ihre Politiker verachten oder hassen, desto schlechter wird die Auswahl derer, die noch Politik machen wollen. Diejenigen, denen es primär um Demokratie, Frieden, Menschenrechte, Völkerverständigung, Resourcenschonung und andere wichtige Werte des globalen Zusammenlebens geht, sind leider eher in der Minderheit. Das andere Extrem, Diktatoren, die nur ihren Machterhalt und ihr persönliches Wohlergehen im Sinn haben und die dafür über fünf-, sechs-, oder siebenstellige Zahlen an Leichen gehen, zum Glück auch. Aber es gibt sie immer wieder, weil die meisten Bürger, falls überhaupt, immer erst aufwachen, wenn es zu spät ist, solche Menschen daran zu hindern, ihre Macht mit blanker Gewalt zu konsolidieren. Wer in der Demokratie einschläft, wacht bekanntlich in der Diktatur auf. Ihre Namen sind bekannt. Hitler, Stalin, Mao, Pol Pot, etc. Sie sind bereit, jedes Gesetz und jeden Vertrag zu brechen, wenn sie sich auf die blanke Gewalt ihrer Armeen und Geheimdienste verlassen können. Mit ihnen Verträge auszuhandeln, kann einem im besten Fall kurzfristig etwas Luft verschaffen. So wie einer Maus, die die Katze gerade langweilt. Und zu diesen Charakteren gehört unzweifelhaft auch Wladimir Putin, der sich schon früh in den beiden charakterlich übelsten Berufsfeldern betätigt hat, die Russland zu bieten hat. Dem KGB und der Mafia. Von ihm die geringste Kompromissfähigkeit zu erwarten, die nicht seinem egoistischen oder machtpolitischem Kalkül entspringt, ist ein schwerer Fehler, den man teuer bezahlen wird. Ihm kann man nur mit Härte begegnen. Man muss ihn nicht unnötig provozieren. Aber umgekehrt kann man auch nicht die notwendige Härte unterlassen, weil jemand mit einem solchen Charakter sowieso alles als Provokation empfinden oder zumindest benennen wird, was ihn stört. Wie objektiv berechtigt, legal und legitim es auch immer sein mag.

Advertisements

2 Gedanken zu „Wenn jeder Politiker für Arschlöcher hält, werden auch nur noch Arschlöcher Politiker.

  1. Warum sind manche Länder Demokratien und andere Diktaturen? Eine klare Ursache wird man da nicht feststellen können.Zunächst ist natürlich jedes Land durch seine Geschichte geprägt, so dass „neue“ Nationen wie Island oder -mit Abstrichen hinsichtlich Ureinwohnern, Spaniern, Franzosen…- die USA. Allerdings hat jede Geschichte irgendwann ihren Anfang genommen. Dann könnte man annehmen, dass etwa das Klima oder die Entfernung zum Meer und damit zu den Weltmärkten eine Rolle spielen- aber das ist alles eher wildes Hypothesenaufstellen.

    Für die speziellere Frage: Was begünstigt es, dass einzelne Personen in einer zunächst pluralistischen Gesellschaft alle Macht an sich reißen können? Finde ich, lässt sich eine wichtige Ursache leicht benennen: Armut.

    Wer über arme Menschen regiert, muss auf niemanden große Rücksicht nehmen: Nicht auf die Medien- und lebensweltliche Macht, die die Wirtschaft hat, nicht darauf, potenzielle Wahlkampfspender zu finden, nicht auf Verbände, die ihre Interessen vertreten wie Arbeitnehmer oder Steuerzahlerbünde. Denn niemand kann riskieren, politisch aktiv zu werden, ohne seine wirtschaftliche Existenz zu gefährden.

    In prosperierenden Wirtschaften schafft die Gesellschaft einfach Fakten, in dem sie Arbeitstellen, Produkte, selbst organisierende Strukturen schafft, auf die die Politik nur reagiert.
    ( Wie das in der Privatwirtschaft erfundene Auto oder Flugzeug erst die Notwendigkeit zur einer legislativen Berücksichtigung geschaffen hat).

    Will der Staat dagegen die Marschrichtung vorgeben, kommen Dinge heraus wie Lyssenkoismus, Zwangskolllektivierung oder, weniger extren der sog. zweite Arbeitsmarkt der die Menschen in 1€-Jobs ausbeutet.

    • Demokratien sind die Antwort auf und das Produkt der Flucht vor Diktaturen. Dabei spielen Hunger und Armut sicher eine wichtige Rolle. Sie haben aber Revolutionen provoziert und begünstigt und nicht Diktaturen. Revolutionen sollen dem Volk zu seinem Recht und üblicherweise auch zur Macht verhelfen, sonst wäre es ein Putsch. Allerdings neigen revolutionäre Umbrüche dazu, dass das Volk die Macht schnell wieder an Machtpolitiker verliert, die zunächst als Revolutionäre auftreten. Siehe Französische Revolution und Napoleon oder die Russische Revolution und Stalin. Die angloamerikanischen Demokratien zeigen allerdings, dass es trotz aller zeitweiliger Auswüchse auch über lange Zeit stabile Demokratien geben kann, die sich selbst regulieren.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s