Russische Helden

Die internationale Freiwilligengemeinschaft InformNapalm hat zusammen mit Infographics UAden ersten Teil der zusammengefassten Angaben zu den Teilnehmern der russischen Militäroperation in Syrien vorbereitet, und zwar zu Navigatoren und Piloten der Luftwaffe Russlands.

Wir erinnern daran, dass Anfang Oktober InformNapalm ein Ultimatum an die Behörden Russlands gesetzt hat. Für jeden Verstoss gegen die Waffenruhe in Donbass veröffentlichen wir Angaben zu russischen Piloten auf der Basis unserer Analyse und Untersuchung von offenen Informationsquellen. Dies ist unsere asymmetrische Antwort auf die hybride Vorgehensweise des Kremls wie in der Ukraine, so auch in Syrien. Der Pressesekretär Dmitry Peskow reagierte auf das Ultimatum und bezeichnete die Veröffentlichung persönlicher Angaben der russischen Piloten in den Medien als „ein feindseliges Verhalten“.

Zum jetzigen Zeitpunkt wurde in den Materialien von InformNapalm die Information zu 11 Offizieren der Luftwaffe Russlands offengelegt. Das sind die Besatzungen der SU-24M mit den Bordnummern 0405, 16, 26 und des Flugzeugs SU-24M mit der Registrierungsnummer 0715323, die Besatzung des Flugzeugs SU-30SM mit derBordnummer 27-rot und ein Offizier der Jägerführung, der den Einsatz des Flugzeugs für elektronische Aufklärung und EloKa der Luftwaffe Russlands IL-20 in Syrien preisgegeben hatte.

Die Rechtsschutzorganisation Human Rights Watch (HRW) beschuldigte Russland des Todes von Dutzenden Zivilisten im Zuge der Luftangriffe auf syrische Städte. Nach Angaben von HRW sind allein infolge von zwei Angriffen im Norden der Provinz Homs 59 Zivilisten getötet worden. Zum blutigsten Ereignis wurde die Bombardierung vom Dorf Gantu, wo bei einem Luftangriff 46 Mitglieder einer Familie gestorben sind (darunter 12 Frauen und 32 Kinder).

Ausserdem erklärte der türkische Premierminister Achmet Davutoglu am 7. Oktober, dass nur zwei von 57 Luftangriffen der russischen Luftwaffe in Syrien auf die Stellungen der IS-Söldner ausgeführt wurden. Das ist ein anschauliches Beispiel dessen, welche Ziele die russische Seite in Wirklichkeit verfolgt, die die Situation in der Region immer weiter anheizt. In diesem Zusammenhang sind die Offiziere der Luftwaffe Russlands, die sich an der Militäroperation Russlands in Syrien beteiligen, Kriegsverbrecher, die nicht an einem Kampf gegen die IS-Söldner teilnehmen, sondern unschuldige Zivilisten Syriens töten.

InformNapalmTeam

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Heute wurden 45 Zivilisten hinzugefügt:

„Vor rund vier Wochen, am 30. September, begann das russische Militär mit seinen Luftangriffen in Syrien. Die Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) beklagt, dass seither die Zahl der Luftschläge gegen Krankenhäuser in dem Bürgerkriegsland „deutlich zugenommen“ habe. Insgesamt seien im Oktober zwölf Hospitäler in den Provinzen Idlib, Aleppo und Hama bombardiert worden, sechs von ihnen werden von MSF unterstützt. Insgesamt seien sechs Kliniken gezwungen gewesen, den Betrieb einzustellen, hieß es weiter. Vier Krankenwagen seien zerstört worden. Bei den Luftangriffen auf die Hospitäler wurden laut Ärzte ohne Grenzen mindestens 35 Patienten und Ärzte getötet und 72 weitere verletzt.“ …

http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-35-tote-bei-luftangriffen-auf-krankenhaeuser-a-1060081.html

„In Syrien sind nach Angaben der Uno seit Anfang des Monats mindestens 120.000 Menschen vor den Kämpfen in den Bezirken Aleppo, Hama und Idlib geflohen. Die meisten suchten in der Nähe ihrer Heimatorte oder in Lagern nahe der türkischen Grenze Schutz vor den Gefechten, sagte eine Uno-Sprecherin in Genf. … Die syrische Opposition gibt Russland die Schuld daran: Willkürliche russische Luftangriffe seien inzwischen die Haupt-Todesursache für Zivilisten, sagte der Sprecher der Syrischen Nationalkoalition, Najib Ghadbian. Die russische Intervention in Syrien erleichtere Präsident Baschar al-Assads „Krieg gegen Zivilisten“. Laut den Angaben syrischer Hilfskräfte sind seit Beginn der russischen Luftangriffe mehr als 436 Menschen ums Leben gekommen. „Mehr als die Hälfte der Todesopfer lässt sich direkt mit russischen Angriffen in Verbindung bringen“, sagte Ghadbian.“ …

http://www.spiegel.de/politik/ausland/syrien-mehr-als-120-000-fluechtlinge-seit-anfang-des-monats-a-1059706.html

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Der Spiegel – Angst vor der Wahrheit

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Nein, ich will nicht jammern. Aber ich muss einmal laut staunen. Ich bin sicher nicht der erste und der einzige, der aus den Facebookseiten des Spiegel fliegt. Obwohl ich bisher dachte, dass im Gegensatz zum Spon-Forum die Toleranzschwelle dort recht hoch sei. Schließlich darf dort an Putintrollen alles posten, was Rang und Namen hat. Aber Kritik an Augstein scheint die Grenzen der Spiegel-Toleranz zu überschreiten. Es ging noch durch, dass ich seine letzte Kolumne mit einer „Analyse“ des neuen deutschen Faschismus kritisiert habe, weil dort nicht einmal das Wort Putin oder Russland genannt wurde.

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/gewalt-gegen-fluechtlinge-der-faschismus-lebt-kolumne-a-1059574.html

„Für Pogrome braucht man zwei Dinge. Frustrierte Menschen und jemand der ihnen sagt, wer an ihrer Frustration Schuld sein soll. Man kennt das aus der deutschen Geschichte. Womit Augstein ein Stück weit Recht haben mag, sind die Quellen der Frustration. Wer diesen Leuten allerdings sagt, wer schuld an ihrem Elend (gemessen an Augsteins Einkommen) sein soll, das verschweigt Augstein wider besseres Wissen. Wir hatten in den 90er Jahren auch bis zu 1,5 Millionen Flüchtlinge jährlich es wurden auch einige Ausländerunterkünfte angesteckt. Aber es gabe keine Pegida, und es grölten nicht Tausende etwas von Lügenpresse und Volksverrätern. Es wollte auch niemand die Regierung am Galgen sehen oder hat Politikern ein Messer in den Hals gestoßen. Wir haben auch relativ problemlos Flüchtlinge aufgenommen, bis Herr Putin beschlossen hat, dass für sein innenpolitsches Überleben der festgefahrene Krieg gegen die Ukraine nicht mehr ausreichend trägt und er sich lieber in Syrien weiter profilieren sollte. Er forciert im Moment gerade die „Flüchtlingsproduktion“ und er finanziert Le Pen und andere faschistische bis rechtspopulistische Parteien und Organisationen in Europa mit Millionen. Praktisch alle dieser Rechtsextremisten singen Loblieder auf Putin, wie beispielsweise Udo Voigt auf dem Rechtsextremistenkongress in St. Petersburg. Rechtsextremisten laufen mit Fahnen der „Volksrepublik Donetzk“ durch Heidenau, auf Pegida-Versammlungen und Montagsdemos sieht man die gleiche Fahne, russische Fahnen und T-Shirts der Deutsch-Russischen Bruderschaft und anderer proputinistischen Organisationen. Elsässer, den man wohl als den bezeichnen darf, der über Compact Nazibegriffe wie Lügenpresse und Volksverräter populär gemacht hat, unterhält enge Verbindungen mit Alexander Dugin. Der Pegida Galgenträger ist mit einer Ukrainerin aus dem Donbas verheiratet. Und die menschenverachtende faschistoide Hetze gegen Flüchtlinge und die Bundesregierung in den sozialen Netzwerken kommt meist von namentlich genau den gleichen Foristen, die seit anderthalb Jahren Putins Ukraine-Krieg loben und verteidigen, die Maidan-Revolution als faschistisch diffamiert haben, den MH-17-Abschuss vernebeln und vorher schon Assads Blutbad am eigenen Volk verteidigt haben. Und zwar bereits, als noch kein einziger Islamist von Assad freigelassen war und nur Bürger Gerechtigkeit und ein Ende des Folterregimes gefordert haben. Gleichzeitig greift jetzt die russische Propaganda aggressiv die deutschen Politiker an, dass sie nicht mit den Flüchtlingen fertig würden und dass sie nicht mit den Rechtsextremisten fertig würden. Es ist Putins erklärtes Ziel, Europa zu zerstören. Genau das tut er mithilfe der Flüchtlinge und der europäischen Nazis. Frank Steffen, der vor der Tat seine Festplatten verschwinden ließ, sie also geplant beging, ist sein Werkzeug. Und Augstein, der all das bei seiner „Analyse“ vorsätzlich unterschlägt, ist Putins bester Propagandist in der „Lügenpresse“. Der Propagandist eines Faschisten reinsten Wassers! Autoritaristisch, nationalistisch, sich und Freunde bereichernd, einen Personenkult um sich aufbauend, mit Geheimpolizei regierend, Wahlen fälschend, Goebbels bewundernd, Hitler rechtfertigend und wenn er von der Überlegenheit russischer Gene schwadroniert und sich im Donbas und in Europa russischer und westeuropäischer Nazis bedient, die etwas von der NWO und Bilderbergern faseln, auch ein Rassist und Antisemit.“

Ein heutiger Kommentar anlässlich Gabriels Besuch bei Putin allerdings mit einem Link zu einem meiner Blogbeiträge mit Kritik an der grundsätzlichen Einstellung Gabriels und Augsteins zur Demokratie und den westlichen Werten war dann wohl doch zuviel. Mir wurde nicht nur der Zugang zum Facebook-Spiegel gesperrt, sondern auch alle meine bisherigen Beiträge dort gelöscht. Gabriel war laut dem von mir kritisierten Bericht in Moskau um Handelshemmnisse besonders im Energiesektor zu besprechen, obwohl Moskau bekanntlich Sanktionen unterliegt und obwohl er vor kurzem schon einmal scharf kritisiert wurde, weil er sich für die Aufhebung der Sanktionen gegen Russland ausgesprochen hat.

http://www.spiegel.de/politik/ausland/sigmar-gabriel-draengt-wladimir-putin-zu-kompromissen-a-1060068.html

Mein Kommentar:

Da fällt mir auch nichts mehr zu ein als „Verräter“. Allerdings nicht Volksverräter sondern Demokratieverräter. 
https://criticusnixalsverdruss.wordpress.com/2015/07/21/der-ausverkauf-unserer-werte/

Was ich aber besonders bemerkenswert finde ist, dass ich meine Betrachtung über Zensur, die ich vorgestern u.a. im Spiegel gepostet hatte und die natürlich mit gelöscht wurde, heute sinngemäß in einer Spiegelkolumne wiederfinde. Ich hatte im Spiegel kommentiert:

Meinungsfreiheit heißt übrigens, das jedermann und jede Frau ihre Meinung frei äußern können. Es heißt aber nicht, dass der Staat oder die Medien ihnen dafür eine Plattform zur Verfügung stellen müssen. Das Ausüben eines virtuellen Hausrechts, egal ob bei Behörden, Medien oder privaten Seiten ist keine Zensur. Zensur wäre es, wenn die eigenen Veröffentlichungen der Rechtsextremisten ohne Gesetzesübertretung verboten würden. Die Medien, die demokratischen Parteien und ich glaube auch Behörden fordern die Vermieter von Veranstaltungsräumen auf, dort keine Neonazi-Veranstaltungen zu ermöglichen, stellen diesen aber gleichzeitig ihre eigenen Internetplattformen zur Verfügung. Das ist absolut widersinnig.

Im Spiegelartikel über Pirincci liest sich das zwei Tage später und diametral zum Spiegel-Umgang mit rechter Hetze dann so. Zufall?:

„Zensur bedeutet politische Kontrolle

Apropos dumm. Die Bücher von Pirinçci sind eben gerade nicht zensiert worden. Wären sie zensiert worden, müssten nicht lauter einzelne Händler jetzt verkünden, ob sie Pirinçcis Bücher noch verkaufen oder nicht – denn Zensur bedeutet politische Kontrolle, nicht wirtschaftliche Kontrolle durch einzelne Akteure, so marktbeherrschend sie sein mögen. Im Falle von Pirinçci gibt es keine staatliche Behörde, die die Verbreitung seiner Werke verbieten würde. Es handelt sich um Unternehmen, die sich entschieden haben, seine Bücher nicht mehr anzubieten. Es ist das Recht jedes Unternehmens, eine Haltung zu haben zu den auf dem Markt verfügbaren Produkten. Wenn es denn mal eine Haltung wäre!“ …

http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/amazon-gegen-pirin-ci-reichsfaehnlein-im-wind-kolumne-a-1060117.html

Verdammt, dann beherzigt das endlich selbst in der Spiegelredaktion, was Ihr von mir abschreibt! Hört endlich auf, Eure Foren, egal ob auf der Homepage oder in Facebook als Plattformen für Putins Nazi-Agententruppe missbrauchen zu lassen. Nichts anderes sind die organisierten und bezahlten Propagandatrolle, denen man dort zu Hunderten begegnet!

PS:

Und wer als Admin bis heute immer noch nicht begriffen hat, was Trolle sind und woran man sie erkennt, dem seien die Infoseiten der Querfronttrolle selbst empfohlen:

Hintergrundinfos: http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/geostrategie/redaktion/cointelpro-techniken-zur-verwaesserung-irrefuehrung-und-kontrolle-eines-internetforums.html

Erkennen von Trollen:http://bronsteyn.wordpress.com/2012/04/14/erkennungsmerkmale-von-trollen/

Vorgehensweise von Desinfo-Trollen in Foren und Blogs:
http://terragermania.com/2012/11/10/cointelpro-techniken-zur-verwasserung-irrefuhrung-und-kontrolle-eines-internetforums/

So erkenne ich einen Troll und werde ihn los:
https://www.facebook.com/notes/christine-côte/so-erkenne-ich-einen-troll-fake-und-werde-ihn-los/242733102438799

Und auch hier noch einmal die Mitgliederliste des „Interventionskommandos gegen die Lügenpresse„. Stand März 2015:
https://criticusnixalsverdruss.files.wordpress.com/2015/03/nicokloecknertrollliste1.pdf

Quellen:

https://www.freie-radios.net/69526

http://www.freie-radios.net/68898

http://www.berliner-kurier.de/polizei-justiz/berliner-npd-nazi-verbruederung-mit-ukraine-killern,7169126,30458120.html

http://de.euromaidanpress.com/2015/08/10/putins-agenten-im-westen-uebersetzung/

http://www.politico.eu/article/the-putin-adoration-society/

http://linkis.com/euromaidanpress.com/n720B

http://de.euromaidanpress.com/2015/08/21/google-verraet-die-hoehlen-der-kreml-trolle/

http://www.welt.de/politik/deutschland/article145789205/Das-Neonazi-Netz-hinter-den-Fluechtlingsangriffen.html

http://www.nzz.ch/feuilleton/buecher/kadaver-auf-urlaub-1.18600587

Do not panic!

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„Do not panic!“ … ist wohl ein als Titel passender Spruch, den ich zufällig auf den Facebookseiten des Auswärtigen Amtes gefunden habe. Er beruhigt mich zwar überhaupt nicht, aber er gibt in meinen Augen sehr gut die Einstellung des AA gegenüber der Unterwanderung unserer Medien durch russische Propaganda wieder. Über diese Entwicklung bei Onlineausgaben von Zeitungen wie Zeit und Spiegel habe ich ja schon einiges geschrieben, hier sei aber ausdrücklich der Facebookauftritt des AA angesprochen, der denen der kommerziellen Medien in nichts nachsteht. Ich habe mich jetzt eine ganze Weile rege – dem AA fast schon zu rege – an der „Diskussion“ auf diesen Seiten beteiligt. Nachdem ich dort mehrfach alten Bekannten begegnet bin, die dort ihr Trollunwesen trieben, habe ich mehrfach vergeblich an die Redaktion des Auswärtigen Amtes appelliert, sich nicht zur Plattform russischer Trolle machen zu lassen. Die Reaktion darauf und auf Fragen, was man prinzipiell gegen den Ansturm russischer Propaganda zu tun gedenke, individuell wie europaweit, fiel ernüchternd aus. Es gab keine. Nach einigen Tagen „Abstinenz“ habe ich mir die Seiten jetzt wieder einmal angesehen. Und konnte der Versuchung nicht widerstehen, aufgrund aktueller Beiträge mal ein wenig nach alten Bekannten zu forschen. Allein für die letzte Woche habe ich dabei drei dieser Bekannten ausgemacht. Im März dieses Jahres hatte ich ausführlich über meine Erfahrung mit dem „Interventionskommando gegen die Lügenpresse“ berichtet.
https://criticusnixalsverdruss.wordpress.com/2015/03/18/unter-trollen/

Eine Gruppe prorussischer Trolle, die es sich erklärtermaßen zur Aufgabe gemacht hat die öffentliche Meinung in deutschen Medien organisiert zu manipulieren. Dabei hatte ich auch eine Liste aller 707 damaligen Mitglieder dieser russisch gesteuerten Gruppe angehängt und den Beitrag an eine Reihe von Journalisten und Redaktionen der betroffenen Zeitungen geschickt. Nicht ohne die Hoffnung, dass sich dort jemand wenigstens nach dieser Vorarbeit die geringe Mühe macht, diese Liste für die zuständigen Administratoren bereitzustellen um Posts dieser Mitglieder zu löschen oder sie zu sperren. Nichts dergleichen ist passiert. Auch nicht bei der Redaktion bzw. Administration des AA. Auch dort hatte ich den Bericht mehrfach verlinkt und auf eine entsprechende Auswertung dieser Liste gehofft. Deshalb jetzt und hier noch einmal ganz deutlich. Dieses ist die Liste:
https://criticusnixalsverdruss.files.wordpress.com/2015/03/nicokloecknertrollliste1.pdf
Darin finden sich folgende Mitglieder, die in den letzten Tagen auf den Seiten des AA ihre Propagandabeiträge platziert haben:
Alexander Wegener:

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Darko Ipmanovic:

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Und die Krönung dieser Beiträge bietet ein Micha Zenker:

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An Stelle des Auswärtigen Amtes würde ich schon etwas Panik bekommen, wenn Mitarbeiter solche Aussagen in der Chronik stehen lassen. Ich denke, ein Strafanzeige wegen Beihilfe zur Volksverhetzung hätte gute Aussichten auf Erfolg. Herr Zenker darf sich unter Freunden fühlen und hat eigentlich keinen Grund so etwas zu posten:

Aber wenn er schon Volksverhetzung öffentlich postet, wer weiß was er dann nicht öffentlich postet.

Ich komme schon lange nicht mehr aus meiner Fassungslosigkeit heraus, dass solche Kommentare angesichts unserer Geschichte nicht nur bei Facebook sondern auch bei den großen deutschen Medienhäusern möglich sind. Dass sie allerdings auch auf den Seiten des deutschen Auswärtigen Amtes möglich sind, finde ich dermaßen daneben, dass ich mich als Deutscher für diese Behörde zutiefst schäme! Und ich bekomme Panik, was gerade mit Deutschland passiert, weil der Behördenmichel tief schläft. Oder schaut er eifrig weg, weil er auch einen Gazprom-Job hat?

Das Nazi Coming out

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Wenn Staatsanwälte in Deutschland, die wegen eines Galgens für die Kanzlerin ermitteln, mit Morddrohungen überzogen werden, wenn Frau Merkel auf der Facebookseite des Auswärtigen Amtes als Nutte bezeichnet wird, und wenn „anständige Bürger“ wegsehen oder sich nur Gedanken um den Ruf ihrer Stadt machen wenn Asylantenheime im Dutzend brennen, dann rieche ich die Rauchschwaden der sogenannten Kristallnacht und dann wird gerade eine Grenze überschritten in Deutschland, die mich zu einer kleinen Abschiedsrede drängt.

Als ich ein Jugendlicher war, was jetzt schon so ungefähr 40 Jahre her ist, da glaubte ich in eine stolze Generation hineingeboren zu sein, die von Hippies, 68ern, von Woodstock und von Kriegsgegnern, die alles Irrationale und Spießige, alle falschen Religionen und Ideologien und jeden engstirnigen Irrglauben über Bord wirft. Die sich endlich frei macht von Kruzifixen und Talaren. Inzwischen habe ich begriffen, dass dieses radikale Aufräumen mit den traditionellen Werten nicht frei gemacht hat, sondern zu einem Verlust aller ethischen und moralischen Grundsätze geführt hat, die eine Gesellschaft braucht damit sie funktioniert. Dazu gehört auch und vielleicht vor allem Vertrauen. Dass es möglich ist, dass der Hass, der im Nahen Osten und in Moskau produziert wird, auf unsere westlichen Demokratien übergreifen kann, ist meiner Meinung nach zu einem großen Teil auf diesen Verlust an moralischer Grundsubstanz zurückzuführen.
Und ich sehe dabei leider auch ein Parallele zu den kommunizierenden Gefäßen der Macht. Dort wo sie weicht, egal, ob aus vermeintlicher Vernunft, aus Dummheit oder aus Schwäche, folgen andere nach, die dieses Machtvakuum auffüllen. So gut wie nie mit guten Absichten. Genauso scheint es sich mit den Werten zu verhalten. Wo verknöcherte Mythen, Religionen und Ideologien weichen und ihre Riten und Symbole, herrscht leider nicht Freiheit und geistige Unbeschränktheit, sondern der nächste absurde Irrglaube hält fröhlichen Einzug.

Aber was ich hier schreibe, scheint wohl leider nur das Aufwachen aus einem langen, schönen, behüteten Traum zu sein, den Andere nicht das Glück hatten so lange träumen zu dürfen. Nicht in anderen Ländern und nicht in anderen Generationen. Sie mussten sich wehren oder sich schuldig machen, wenn sie nicht wegrennen wollten. Es trennt uns beispielsweise kulturell wenig von den Israelis, aber für sie ist dieses Alltag, ständig präsent: Militärdienst, Krieg, Schuld, wahrscheinlich auch Angst, die Auseinandersetzung damit, was das Land, die Gemeinschaft von einem verlangt und auch die Auseinandersetzung mit gewalttätigen inneren Feinden der Gesellschaft, … All das blieb uns bisher weitestgehend erspart. Ich fürchte, es ist jetzt vorbei. Diesmal sind es nicht ein paar RAF-Figuren mit dem naiven Glauben durch Terror die Gesellschaft hinter sich zu bringen wenn sie einige Politiker angreifen, diesmal ist es eine breite Bewegung die den Kreml in ihrem Rücken weiß. Und eine Gesellschaft, die wieder wegsieht.

Behüteter Traum übrigens nicht dank der Besatzer in Ost und West, sondern dank der Millionen Opfer des letzten Faschismus. Dank Josua Blumenthal, den man vergast hat, dank Fritz Müller, der den Mund aufgemacht hat und dafür ins KZ ging, dank John Miller, dem GI, der irgendwo an der Küste der Normandie verreckt ist und auch dank Juri Andrejewitsch, der im Wald bei Frankfurt an der Oder verscharrt liegt. Ihnen verdanken wir es, dass man in Deutschland und auch in Europa 70 Jahre lang gesagt hat „Nie wieder!“

Aber wir leben ja heute in einer Gesellschaft, in der Toleranz ganz groß geschrieben wird. Nachdem Nazis jetzt endlich auch ihr Coming out haben, bin ich sicher, dass es nicht lange dauern wird, bis es auch für sie Proporzregelungen und Gleichstellungsbeauftragte geben wird. Auch eine verschärfte Gesetzgebung gegen Verleumdung und Mobbing von Nazis dürften nicht lange auf sich warten lassen. Besonders der Paragraph 130 StGB gegen Volksverhetzung wird wohl dahingehend abgeändert werden, dass die Behauptung, es hätte einen Holocaust gegeben, als Verleumdung unter Strafe gestellt wird.

Schließlich ist es doch die natürlichste Sache der Welt Nazi zu sein, oder etwa nicht?

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Sollte ich noch etwas nachtragen, nachdem sich zwei Tage nach diesen Zeilen der Mordanschlag auf Frau Reker ereignet hat? Ich weiß nicht, was ich dazu schreiben sollte. Es gibt nur meine Wut und meine Erschütterung, dass sich meine Befürchtungen so schnell erfüllt haben. Und meine Befürchtung, dass sie nicht das letzte Opfer bleiben wird.

Nachtrag zum Tag der Einheit

Tut mir leid, ich feiere nicht. Ich gestehe es, ich gehöre mit zu denen, die Kohl ausgepfiffen haben auf dem Balkon des Schöneberger Rathauses. Weil er sich den Sieg der zum Glück friedlichen Revolution an seine Fahnen geheftet hat. Ich hatte der Bürgerrechtsbewegung in der DDR viel Erfolg gewünscht und habe mich für die DDR-Bürger gefreut als die Mauer fiel. Aber ich habe mir nicht die Einheit gewünscht. Zumindest nicht so schnell. Und ich weiß, warum ich das sage. Ich habe meine langjährige Lebensgefährtin wenige Wochen später auf einer privaten Silvesterfeier von Ostberlinern und Westberlinern in Ostberlin kennengelernt. Im April 90 bin ich nach Ostberlin gezogen und habe 10 Jahre dort gelebt. Ich stand zufällig neben Gysi, als er in einer kalten Nacht vor dem ZK zum Nachfolger von Krenz erkoren wurde, kenne Stasiopfer und Stasitäter persönlich und wurde als Wessi bei meiner Tätigkeit im Osten genauso herablassend behandelt wie meine Lebensgefährtin im Westen. Ich habe eine ganze Reihe Freunde im Ostteil dazubekommen, aber ich habe auch erlebt, wie die Elbogen im Ostteil immer spitzer wurden, auch krimineller, weil man nicht gleich den Wohlstand der Wessis bekam. Ich kenne das „gutbürgerliche“ Millieu der Kids, die sich die ganze Nacht lang vor der Kiste Wrestling reingezogen haben, während der Vater oder die Oma daneben sich die Birne mit Braunem zugekippt haben, weil sie die plötzliche Konfrontation mit 40 Jahren Selbstbetrug von einem blühenden Sozialismus nicht verkraftet haben. Abends zogen die Kids los um vietnamesische Zigarettenhändler an der Kaufhalle „abzuziehen“. Meine Bilanz des Zusammenwachsens ist sehr durchwachsen. Aber auf keinen Fall ein Grund zu euphorischer Freude, besonders wenn ich den braunen Dreck sehe, der jetzt in Deutschland wieder Oberwasser bekommt. Aufgewachsen in den von autoritätsgläubigen Stasieltern bewohnten blümchentapezierten Ruinen von Städten wie Bautzen, das ich recht gut kennengelernt habe. Für solches Gesindel wünschte ich mir die Mauer zurück!

Nur weil jemand keine Arbeit hat, weniger verdient als andere, oder Angst vor Flüchtlingen hat, die ganz überwiegend selbst nichts sehnlicher wollen als Frieden, hat er keinerlei Recht darauf, Asylanten anzugreifen, ihre Heime anzustecken oder im Internet zu Gewalt gegen sie aufzuhetzen. Es wird gerade eine Schwelle in Deutschland überschritten, die Rechtsbruch hoffähig macht, akzeptabel für eine breite Masse. Das hatten wir schon einmal in der deutschen Geschichte. Das und warum das so war, bekommt jeder in der Schule ausführlich beigebracht, wenn er sich nicht die Ohren zuhält. Meine Mutter hat alles erleben müssen, was ein junges Mädchen 1945 in Berlin erleben musste, die Erstürmung der „Reichshauptstadt“ durch die Russen, Vergewaltigungen, Hunger, Trümmerfrau, Berlinblockade, … Ich selbst bin in Westberliner Ruinen aufgewachsen und habe den Mauerbau als Kind erlebt. Vor 30-40 Jahren habe ich mich noch mit Nazis geprügelt, denen wir all das zu verdanken hatten, heute bin ich zu alt dafür. Aber wer Gewalt gegen andere, unschuldige Menschen zum Teil seiner Weltanschauung macht, mit dem muss man nicht 70 Jahre nach dem seine Gesinnungsgenossen Millionen Menschen vergast haben immer noch geduldig diskutieren. Sondern ihn nur in den Hintern treten. Es gibt kein Recht auf Dummheit wegen später Geburt. Die Geschichtsbücher, die Museen und das Internet sind voller Beschreibungen und Zeugnisse der Naziverbrechen. Deshalb: Null Toleranz für Nazis! Egal, ob sie rötlich, monarchistisch, russisch oder sonstwie eingefärbt sind. Wie auch immer die Verpackung aussieht, der Kern ist immer der gleiche: aggressiver Nationalismus, Rassismus, Intoleranz und Menschenverachtung. Und ein prekärer sozialer Background macht einiges verständlich, aber es kann und darf nie Rechtfertigung sein! Sonst öffnen wir alle Tore und Schleusen zu einer Wiederholung des entsetzlichsten Teils der deutschen Geschichte.