Sieg über die Ratten

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Aus „Der Partisan“, Zeit-Artikels über die Putin-Biografie „Aus erster Hand“

„Die Familie lebte nach dem Krieg in einer Vorstadt St. Petersburgs in ärmlichen Verhältnissen, hier habe Putin verstanden, was es heiße, „in die Enge“ getrieben zu werden: „Im Aufgang hausten Ratten. Meine Freunde und ich jagten sie immer mit Stöcken. Einmal entdeckte ich eine riesige Ratte und begann mit der Verfolgung, bis ich sie in die Ecke getrieben hatte. Nun konnte sie nicht mehr entkommen. Da bäumte sie sich plötzlich auf und ging auf mich los. Das geschah völlig unerwartet, und ich war einen kurzen Moment geschockt. Jetzt hatte sie den Spieß umgedreht und jagte mich! Sie sprang über die Treppenstufen nach unten. Ich war aber doch schneller und schlug ihr die Tür vor der Nase zu.“

… „Natürlich war ich ein Rowdy und kein Pionier (…) Ich war wirklich ein Gassenjunge.“ Aber einer, der im Laufe der Jahre den Nahkampf durchaus verfeinert, um in der Schule „der Anführer zu sein“

… Einmal, erinnert sich Putin, habe er gegen einen amtierenden Weltmeister gekämpft und nur knapp verloren: „Bei schmerzhaften Handgriffen kann im Judo ein Aufschrei als Signal für eine Kapitulation gedeutet werden. Als er einen solchen schmerzhaften Griff ausführte – er verdrehte mir das Ellbogengelenk –, wurde der Kampf abgebrochen. Der Schiedsrichter hatte den Eindruck, dass ich irgendwelche dumpfen Laute von mir gegeben hatte.“ Deshalb habe sein Gegner schließlich gesiegt.“

 

 

Aus „Der Schüler Adolf Hitler – ein lebenslanger Amoklauf“

„In seiner neuen Klasse, die schon seit mehreren Jahren zusammen ist, findet Adolf keinen richtigen Anschluss. Er ist Außenseiter und wirkt verschlossen.

Ab und an versucht er durch provokatives Störverhalten auf sich aufmerksam zu machen. So zum Beispiel, als ihn der Französisch-Lehrer König, der wegen eines Sprachfehlers das H nicht aussprechen kann, in einer Unterrichtsstunde aufruft und Adolf darauf nicht reagiert. Danach gefragt, warum er sich verweigert, antwortet der Opponent: „Ich heiße nicht Itler, ich heiße Hitler, Herr Professor!“ Die Zeit außerhalb des Unterrichts verbringt Adolf meist in seinem Zimmer am Grünmarkt, wo er schmökert, zeichnet oder mit einem Flobert-Gewehr vom Fenster aus auf Ratten schießt.“

… „Als ungerecht empfindet er die Deutsch-Note. Noch Jahrzehnte später gerät er über den Deutschlehrer, es war der Jude Robert Siegfried Nagel, in Rage: „Dieser Idiot von Professor hat mir die deutsche Sprache verekelt, dieser Stümper, dieser kleine Knirps: Ich würde nie richtig einen Brief schreiben können! Stellen Sie sich das vor! Mit einem Fünfer, ausgestellt von diesem Trottel, hätte ich nie Techniker werden können.“

Wenn das Großhirn zum Kleinhirn wird

paranoia

Seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts hat die Angst vor amerikanischen Regierungsorganisationen einen festen Platz im klinischen Bild der paranoiden Schizophrenie. Ein anschauliches Beispiel ist das in dem Film „A Beautiful Mind“ dargestellte Krankheitsbild des Mathematikers John Nash. In allen Lebenslagen fühlen sich Menschen verfolgt und abgehört. Selbst im Bett oder auf der Toilette. Aktuell nimmt diese Erkrankung allerdings besonders in Deutschland epidemische Formen an. Deshalb plädiere ich dafür, dass US-Paranoia als eigenständige, chronische Erkrankung anerkannt wird. Sie führt zu starker intellektueller Flatulenz, ist hochgradig infektiös und nur in den seltensten Fällen heilbar oder regressiv. Sie ist nahezu therapieresistent, weil es fast immer an jeglicher Compliance der Erkrankten fehlt. Die Patienten verlieren jede Orientierung und jeden Halt eines Koordinatensystems von ethischen oder moralischen Werten, wenn sie ein Stadium erreicht haben, in dem sie sich vollständig in ihre Selbstwahrnehmung als Opfer zurückgezogen haben. Aus dieser Position lässt sich jede eigene Aggression als Verteidigung rechtfertigen. Ob dieses Wertesystem, das initial meist zumindest rudimentär vorhanden ist, vorher durch Kirche, Staat oder Gesellschaft anerzogen wurde oder sich durch eigene Erfahrungen etablierte, spielt dabei keine nennenswerte Rolle. Schon die kleinste Konfrontation auch nur mit Symbolen des Objekts ihrer Paranoia löst unberechenbare und impulsive proaktive Reaktionen aus, die man auch als singuläre, vom Auslöser nahezu vollständig abgekoppelte Aggressionen betrachten kann. Der Auslöser ihrer paranoiden Attacken wird damit zu einem marginalen Alibielement ihrer Aggressionen. Fühlt sich beispielsweise ein Patient , der sich durchaus selbst als links einschätzt, durch den US-Kapitalismus bedroht, kann man Aussagen wie „Schade, dass Hitler nicht auch alle Rothschilds vergast hat“ hören oder lesen.

rothschildsVergasen

Das Krankheitsbild geht häufig nahtlos in die Manifestation einer politischen Amnesie über. Politische Entwicklungen, die jedem unabhängigen Medium zu entnehmen waren und sind, werden partiell völlig aus dem Bewusstsein ausgeblendet und ihre Existenz wird aus scheinbar tiefster Überzeugung geleugnet, wenn sie mit der US-Paranoia intellektuell nicht vereinbar sind. Dringt man in tiefere kognitive Ebenen vor, zeigt sich, dass die Ausblendung nicht, wie man vermuten könnte, bereits bei der Rezeption des Zeitgeschehens geschieht, sondern dass die Informationen durchaus aufgenommen werden. Hinterfragt man nämlich die paranoiden Darstellungen der Patienten, bekommt man Fantasiedarstellungen der Patienten zu hören, die versuchen ihre Paranoia in Formen, die manchmal bis in den Bereich schizoider Widersprüchlichkeit reichen, mit den realen Ereignissen in Einklang zu bringen. Diese Fantasiedarstellungen zeigen eindeutig, dass in einer tieferen, verdrängten Bewusstseinsebene sehr exakte Kenntnisse bereitstehen, um in diese Projektionen integriert zu werden.

Eine weitere Form, der Konfrontation mit der Realität aus dem Wege zu gehen, ist das entschlossene Negieren der Existenz unabhängiger Medien. Alles was nicht die eigene Paranoia bestätigt, wird als Lügenpresse bezeichnet. Ein globales Informationsnetz nicht nur von politisch unabhängigen professionellen Journalisten, Zeitungen, Fernsehanstalten und Nachrichtenagenturen, sondern auch von humanitären Organisationen wie Amnesty International, Human Rights Watch, Ärzte ohne Grenzen oder dem Roten Kreuz wird pauschal als vom US-Kapitalismus gesteuert betrachtet und an deren Stelle sucht sich der Patient Informationen die seine gewünschte „Wahrheit“ enthalten aus Blogs und Youtube-Kanälen zusammen, in denen sich gleichgelagerte Fälle gegenseitig in ihrem Krankheitsbild bestätigen und verstärken. Auf diese Weise entwickelt sich mit wachsender Dynamik eine Massenpsychose, wie man sie aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts kennt.

Ähnlich der Pharmaindustrie gibt es auch Medien, die besonders gut daran verdienen, die Bedürfnisse dieser Patienten zu decken, und dabei ihrer Krankheit selbstinduzierend ständig neue Nahrung zu liefern. Gibt man beispielsweise bei Google die Begriffe „NSA“, „Waffenlobby“ und „Kapitalismus“ ein, ist die erste Fundstelle nicht, wie man vermuten könnte, die Internetseite der Linken, eine von Marxisten, Sozialisten, oder Russia Today, sondern die des SPIEGEL. Einer Zeitung, die seit Jahren keinen Tag vergehen lässt, an dem sie nicht mehrere Online-Artikel mit Horrorgeschichten über die USA veröffentlicht und die sich gierig auf das Snowden-Material stürzte, dass Greenwald ihr anbot. Das Material reichte, um über mehr als ein halbes Jahr täglich bis zu sieben, acht oder noch mehr Artikel über die NSA zu schreiben. In dieser ganzen Zeit erschienen zwei oder drei Berichte über vergleichbare Aktivitäten Russlands, wie Forenbots, Trollfarmen, oder die lückenlose Überwachung aller Onlinedaten, egal ob Forum, Blog, Website oder Mailverkehr. Das I-Tüpfelchen auf dem Antiamerikanismus des SPIEGEL sind allerdings die teils haarsträubend antisemitischen Kommentare von Augstein. Man darf Augstein getrost als ebenfalls schwer erkrankt betrachten. Ein Medium von Kranken für Kranke! Wer eine noch höhere Dosierung benötigt, erhält sie, wenn er direkt zu Augsteins FREITAG greift. Dort werden die Beiträge gleich von einer ganzen Reihe Querfrontlern bestritten. Wenn sich nicht hinter manchen Autoren wie z.B. einem „Springstein“ Jakob Augstein selbst verbirgt.