Heute vor einem Jahr …

… wurde der Flug MH-17 über der Ukraine abgeschossen. Aus diesem Anlass möchte ich mich nicht in verbalen Anklagen ergehen, sondern drei Bilder des Fotografen Ilvy Njiokiktjien zeigen, die mich besonders berührt haben. Sie stammen aus der Fotoserie „The Empty Spaces Left Behind by Malaysia Airlines Crash, die in der New York Times und auszugsweise in einigen anderen Zeitungen veröffentlicht wurde. Darunter folgt ein Link zu einer Twitterseite, die mit Videos, Kommunikationsmitschnitten und damaligen Twittermeldungen den Tag heute vor einem Jahr rekonstruiert und last but not least eine Zusammenstellung einiger gestriger und heutiger Zeitungsartikel, die sich ausführlich mit dem aktuellen Erkenntnisstand und mit Beweisen und Belegen zum Abschuss beschäftigen. Sie sprechen für sich, was die Schuld anbelangt, die Russland vehement von sich weist.
Heute ist übrigens der Bundestag zusammengekommen, um über die Griechenlandhilfe abzustimmen. Er hätte eine Schweigeminute einlegen können. Er hätte auch etwas zu MH-17 sagen können. 

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De slaapkamer van Alex Ploeg en Edith Ploeg-Cuijpers (53)

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De slaapkamer van Mira Kooijmans (12)

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De slaapkamer van Isa Kooijmans (10)

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Der Livetweet zu MH-17: https://twitter.com/MH17Live

Presseberichte und Analysen von Aktivisten zum aktuellen Stand der Ermittlungen, Beweisen, Indizien, internationalen Reaktionen:

Never-before-seen footage reveals Russian-backed rebels arriving at the wreckage of MH17

Das Videomaterial zu diesem Zeitungsbericht


One Year on, MH17 evidence against separatists appears overwhelming


MH17: Russian separatist leader sued for $900 million by crash victims

Field of Death

Laut CNN-Quellen sind die Soldaten namentlich bekannt, die die Rakete abschossen.

http://ukraineatwar.blogspot.nl/search?q=not+first+malaysian+airplane

https://www.bellingcat.com/?s=mh17

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Und wer seiner Trauer und/oder seiner Wut Ausdruck verleihen will, kann an dieser Aktion teilnehmen und Papierflieger mit Fotos oder Namen der Opfer über den Zaun einer russischen Vertretung werfen.
https://www.facebook.com/events/1467619116882410/

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MH-17 und kein Ende in Sicht

… und das hat einen Grund: Der amerikanische Historiker Timothy Snider, Autor des Buches „Bloodlands“, hat es vor kurzem sinngemäß so formuliert, dass es eine systematisch betriebene Komponente der russischen Propaganda ist, viele, auch völlig offensichlich erlogene Informationen in Umlauf zu setzen, um so das Vertrauen in Informationen und Medien zu zerstören. Das Ziel ist auch, dass die Bürger irgendwann genervt und übersättigt sind vom Überangebot an konkurrierenden Informationen, dass das Ereignis, in diesem Fall der Tod von 298 Menschen marginalisiert wird, aber vor allem, dass die Bürger die Wahrheit, die konkret beweisbar ist, dann nicht mehr glauben. Die Wirkung dieser Methode ist in unserer Gesellschaft bereits hör- und ablesbar. Von allen Seiten schlägt uns zur Zeit der Nazi-Begriff „Lügenpresse“ entgegen und Umfragen bestätigen, dass das Vertrauen in etablierte Medien bei ca. zwei Drittel der Bürger verloren gegangen ist. Auf MH-17 bezogen bedeutet das, dass es den Kreml-Propagandisten völlig klar ist, dass es kaum noch jemand glaubt, wenn die zwanzigste oder dreißigte Erklärung für den Abschuss nachgeschoben wird, dass man aber trotzdem aus oben genanntem Grund nicht müde wird, es weiter zu tun. Dies ist auch der Grund, warum es für die Aufklärung des Abschusses keinen Schlusspunkt geben wird, selbst wenn der Abschlussbericht der Untersuchungskommission veröffentlicht sein wird und wenn es doch noch möglich sein sollte, aus dem verantwortlichen Battalion auch eine verantwortliche Person zu benennen.

Diese erkennbare russische Absicht ist auch der Grund, warum ich mich bisher bemüht habe, immer wenn einschneidende neue Erkenntnisse oder Beurteilungen bekannt wurden, diese in einem neuen Beitrag in Bezug zu älteren Informationen zu setzen und mich nicht nur auf die Wiederholung älterer Links zu beschränken. Aktuell gibt es jedoch eine ganze Reihe wichtiger neuer Veröffentlichungen in kurzer Folge, die sich teilweise erheblich überschneiden. Sie sind alle sehr aufschlussreich und lesenswert und da sie sich ergänzen, sollte man sie auch alle lesen. Ich verzichte darauf, sie zu kommentieren. Damit die Liste älterer Links nicht endlos wird, aber trotzdem gebündelt zur Verfügung steht, habe ich das Thema MH-17 als zusätzlichen Punkt auf meine Themenleiste gesetzt.

Die Veröffentlichungen der letzten Tage, die auch Anfang der Woche teilweise noch erweitert werden sollen:

Wer? Warum? Die aktuellste Recherche: https://mh17.correctiv.org/

Auf Englisch: https://mh17.correctiv.org/english/

In Russian: https://mh17.correctiv.org/mh17-hauptgeschichte-russian/

Die Spiegel-Version der neuen MH-17-Recherche mit Videos: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/mh17-wer-hat-die-boeing-ueber-der-ukraine-abgeschossen-a-1011983.html

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2015/01/10/su-25-mh17-and-the-problems-with-keeping-a-story-straight/

http://empr.media/opinion/investigations/learn-the-truth-about-mh17-shot-down

http://www.tagesschau.de/ausland/mh-siebzehn-103.html

MH-17 zum vierten und sicherlich nicht letzten Mal

Ich habe in diesem Blog schon eine Menge zu MH-17 verlinkt und bemühe mich jedes Mal ein aktualisiertes umfassendes Bild der Vorgänge wiederzugeben, indem ich auch die alten Analysen einbeziehe. Aktueller Anlass sind die Analyse niederländischer Medien eines Fotos vom mutmaßlichen Abschussort, die es ähnlich schon vor einiger Zeit gab und ein neu veröffentlichtes Augenzeugeninterview mit dem Fotografen dieses Fotos.

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http://ukrainewarlog.blogspot.de/2014/12/eyewitness-who-took-exclusive-photos-of.html

Wesentlich ausführlicher und eindeutiger ist die Analyse dieses Bürgerreporters oder Online-Aktivisten, oder wie immer man diese Spezies nennen mag, der unter „ukraine@war“ firmiert und sich ähnlich wie Higgins und Bellingcat auf die Geolokaliserung von Videos und Fotos spezialisiert hat.

http://ukraineatwar.blogspot.nl/2014/07/launch-location-detected-of-missile.html

http://ukraineatwar.blogspot.nl/2014/07/exact-location-pinpointed-of-mh17.html

Vor knapp 2 Wochen, am 11. Dezember, wurde ein weiteres Detail bekannt. Ein Mitglied der niederländischen Untersuchungskommission bestätigte, dass es sich bei den Metallteilen, die in den Körpern der Opfer gefunden wurden um Schrapnell, also um Metallbruchstücke handelt und nicht um Kugeln, wie es der Fall wäre, wenn sie aus der Bordkanone eines Flugzeugs getroffen worden wären.

http://www.whathappenedtoflightmh17.com/dutch-safety-board-chairman-joustra-confirms-mh17-was-not-hit-by-bullets/

Da Luft-Luft-Raketen ein Flugzeug nicht von vorne treffen, sondern die heißeste Stelle, also das Triebwerk suchen, ist damit die russische Behauptung eines Angriffs durch ein Flugzeug ausgeschlossen, die mehrfach, zum Beispiel mit lächerlichen Photoshop-Montagen, versucht wurde zu suggerieren. Auch der Abschussort eines Buk-Systems zur passenden Zeit am passenden Ort ist damit sicher etabliert. Wie sah es aus, wie kam es dort hin und wohin verschwand es von dort? Darüber gibt der Bericht des Bellingcat-Teams um Elliot Higgins ausführlich Auskunft und verweist damit auch gleichzeitig alle bisherigen Propagandabehauptungen Russlands in das Reich der Fantasie.

Klicke, um auf bellingcat_-_bericht.pdf zuzugreifen

Wer sich über den aktuellen Stand weiterer Bellingcat-Analysen informieren möchte, kann das hier tun:

https://www.bellingcat.com/tag/mh17/

Zu den russischen Theorien und Behauptungen: Was auch immer angebliche russische Dokumente oder Zeugen aussagen, es scheitert bereits an zwei simplen Fakten. Die SU-25 ist ein Erdkampf-Flugzeug. Es erreicht nicht die Geschwindigkeit eines Passagierjets und es erreicht technisch bedingt keine wesentlich größere Flughöhe als 5 Kilometer. MH-17 flog in über 10 Kilometer Höhe. Und Luft-Luft-Rakten sind hitzesuchend. Sie treffen das Triebwerk und nicht den Rumpf auf Cockpithöhe.

http://m.aviationweek.com/blog/how-su-25-can-shoot-down-faster-higher-flying-aircraft

http://www.rferl.org/content/new-competing-claims-on-downing-of-mh17/26760591.html

Selbst russische Experten erklären das in einer russsichen Zeitung für Blödsinn:

http://translate.google.de/translate?hl=en&sl=ru&u=http://snob.ru/selected/entry/85644&prev=search

Russland wird sicher nicht müde werden, weitere, immer absurdere neue Erklärungen dafür aufzutischen, warum MH-17 nicht von einem russischen Buk-System mit sehr offensichtlich auch einer russischen Mannschaft am Drücker abgeschossen worden sein soll. Aktuell wird etwas Neues von Teilen eines Raketensystems erzählt, die  von Ukrainern gestohlen worden sein sollen. Ich würde nicht ausschließen, dass wir morgen erfahren, dass der Schlitten des Weihnachtsmanns das Flugzeug gerammt hat.

Trotzdem, allen ein schönes Fest!

Mehr dazu:

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/Einzigartig-Brite-entraetselt-Kriegsbilder-,zapp8148.html

http://www.whathappenedtoflightmh17.com/a-detailed-description-of-the-buk-sa-11-which-could-have-shot-down-mh17/

http://www.zeit.de/2014/47/malaysia-airlines-mh17-absturz-ukraine-neue-beweise

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2015/01/02/did-this-ukrainian-soldier-prove-ukraine-shot-down-mh17/

https://criticusnixalsverdruss.wordpress.com/2014/09/09/mh-17/

Wir wollen auch keinen Krieg!

reblogged from http://philippika.blogspot.de/2014/12/wir-wollen-auch-keinen-krieg.html Der jüngst veröffentlichte Aufruf wirklich namhafter Prominenter macht zu Recht Furore. Es sind dort viel zu viele Namen dabei, denen man eben nicht pauschal altlinke Moskautreue, FSB-Verbindungen oder Käuflichkeit durch russische Ölmilliarden vorwerfen kann. Diese Leute sind klug, sie haben oft lange in Verantwortung gestanden, und sie sollten wissen was sie sagen.

Für mich zusätzlich von Gewicht sind die Namen von Theologinnen und Theologen wie die Bischöfin Wartenberg-Potter, Fulbert Steffensky und anderen, die ich zum Teil persönlich kenne und sehr wertschätze. Sie pauschal zu diffamieren kann mir gar nicht einfallen, also – obwohl ich finde, dass schon einiges, eigentlich alles gesagt wurde – will ich mich noch einmal mit ihren Argumenten befassen. Also diesmal Schritt für Schritt:

Niemand will Krieg. Aber Nordamerika, die Europäische Union und Russland treiben unausweichlich auf ihn zu, wenn sie der unheilvollen Spirale aus Drohung und Gegendrohung nicht endlich Einhalt gebieten. Alle Europäer, Russland eingeschlossen, tragen gemeinsam die Verantwortung für Frieden und Sicherheit. Nur wer dieses Ziel nicht aus den Augen verliert, vermeidet Irrwege.

Richtig, wir wollen auch keinen Krieg. Die Frage, ob wir „unausweichlich“ auf Krieg zu treiben, sollte aber kontrovers diskutiert werden. Der Satz ist gleichermaßen eine Unter- wie eine Übertreibung. Untertrieben ist er, weil der Krieg doch schon längst da ist: er wird trotz Waffenstillstand in der Ukraine geführt, mit äußerster Brutalität, Tausenden Toten, Hunderttausenden von Flüchtlingen, zerstörten Dörfern, Landschaften und Anlagen. Furchtbare Kollateralschäden, von denen der Abschuss des Linienflugzeugs von Malaysian Airlines (MH-17) nur die Spitze des Eisberges darstellt. Die Behauptung, hier schrauben sich Drohung und Gegendrohung gegenseitig hoch, übersieht doch, dass die Russische Seite den Bereich der Drohungen schon längst verlassen hat und die Waffen sprechen lässt. Oder glauben die Unterzeichnenden ernsthaft den Unsinn der Kreml-Propaganda von Soldaten, die sich verlaufen haben, oder in ihren gepanzerten Dienstfahrzeugen Urlaubsfreuden in der Ostukraine genießen? Übertrieben ist der Satz, weil es von Seiten der EU und Nordamerika ja keinerlei Kriegsdrohungen gibt. Die Politik des Westens erfüllt ja gerade die Forderung der Unterzeichnenden auf Punkt und Komma genau: Es solle eine politische Lösung geben, eine militärische Lösung könne gar nicht funktionieren, eine Militärhilfe mit Waffen womöglich sogar Soldaten und Panzern und Flugzeugen wird kategorisch ausgeschlossen. Die andere Seite ist nachweislich mit tausenden von Soldaten, mit Panzern, Artillerie und Raketen im Nachbarland aktiv. Wenn also richtig ist, dass Russland und der Westen gemeinsam Verantwortung tragen, an wem liegt es, dass der Ausstieg aus der Eskalationsspirale nicht gelingt? An wen müssten die Unterzeichnenden ihren Aufruf richten?

Der Ukraine-Konflikt zeigt: Die Sucht nach Macht und Vorherrschaft ist nicht überwunden. 1990, am Ende des Kalten Krieges, durften wir alle darauf hoffen. Aber die Erfolge der Entspannungspolitik und der friedlichen Revolutionen haben schläfrig und unvorsichtig gemacht. In Ost und West gleichermaßen. Bei Amerikanern, Europäern und Russen ist der Leitgedanke, Krieg aus ihrem Verhältnis dauerhaft zu verbannen, verloren gegangen. Anders ist die für Russland bedrohlich wirkende Ausdehnung des Westens nach Osten ohne gleichzeitige Vertiefung der Zusammenarbeit mit Moskau, wie auch die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Putin, nicht zu erklären.
Wenn man die Heile-Welt-Romantik einer Welt ohne Macht- und Interessenkonflikte mal abzieht (ich ertappe mich dabei, innerlich Imagine von John Lennon zu pfeifen), werden in diesem Absatz zwei Dinge miteinander verglichen, die so nicht auf eine Stufe gehören: Die Ausdehnung des Westens nach Osten und die russische Annexion der Krim.
Die Ausdehnung des Westens soll ein Indiz dafür sein, dass der Amerikaner und Europäer nach Vorherrschaft streben, und das Verhältnis zu Russland wieder in kriegerischen Kategorien gesehen haben? Das Gegenteil ist doch richtig: Statt einer kriegerischen Eroberung setzte man auf das Erfolgsmodell europäische Integration. In dieses Konzept wurde Russland einbezogen, gerade auch von Deutschland. Über Deutschland hatte Moskau sogar ein faktisches Vetorecht mitten in der NATO. Wenn man an die Nato-Osterweiterung bis Georgien und die Ukraine denkt oder die geplante Stationierung der Raketenabwehr gegen den Iran: es scheiterte am deutschen Nein. Man hatte breite und sehr gut funktionierende Gesprächskanäle, und immer wenn Russland deutlich gemacht hatte, dass eine Schmerzgrenze erreicht war, konnte es sich darauf verlassen, dass Berlin den manchmal vielleicht etwas hemdsärmelig erscheinenden Plänen der USA einen Riegel vorschob.
Das – so wird der Eindruck erweckt – soll nun eine ähnlich fatale Abwendung vom friedlichen Miteinander sein wie die völkerrechtswidrige Annexion der Krim (immerhin beim Namen genannt), und das weitere militärische Vorgehen in der Ukraine? Hier wird genau der Unterschied verwischt, der doch entscheidend ist: Es gibt keine Welt ohne Konflikte und Interessengegensätze. Es kommt also alles darauf an, mit welchen Mitteln wir sie lösen wollen. Bei einer Schulhofschlägerei fragen wir doch auch zuerst: Wer hat angefangen zu schlagen? Natürlich behauptet der Schläger, der andere habe ihn schließlich geärgert, aber damit lassen wir ihn doch nicht davonkommen! Umgekehrt könnte vielleicht ein Schuh draus werden: In unserer John-Lennon-Stimmung sind wir insofern schläfrig geworden, dass wir übersehen haben, dass Russland nie wirklich aufgehört hat, in geopolitischen Einflusssphären und kriegerischen Optionen zu denken.
In diesem Moment großer Gefahr für den Kontinent trägt Deutschland besondere Verantwortung für die Bewahrung des Friedens. Ohne die Versöhnungsbereitschaft der Menschen Russlands, ohne die Weitsicht von Michael Gorbatschow, ohne die Unterstützung unserer westlichen Verbündeten und ohne das umsichtige Handeln der damaligen Bundesregierung wäre die Spaltung Europas nicht überwunden worden. Die deutsche Einheit friedlich zu ermöglichen, war eine große, von Vernunft geprägte Geste der Siegermächte. Eine Entscheidung von historischer Dimension. Aus der überwundenen Teilung sollte eine tragfähige europäische Friedens- und Sicherheitsordnung von Vancouver bis Wladiwostok erwachsen, wie sie von allen 35 Staats- und Regierungschefs der KSZE-Mitgliedsstaaten im November 1990 in der „Pariser Charta für ein neues Europa“ vereinbart worden war. Auf der Grundlage gemeinsam festgelegter Prinzipien und erster konkreter Maßnahmen sollte ein „Gemeinsames Europäisches Haus“ errichtet werden, in dem alle beteiligten Staaten gleiche Sicherheit erfahren sollten. Dieses Ziel der Nachkriegspolitik ist bis heute nicht eingelöst. Die Menschen in Europa müssen wieder Angst haben.
Kernpunkt dieses Absatzes ist die „tragfähige europäische Friedens- und Sicherheitsordnung“ namentlich die „Pariser Charta für ein neues Europa“ der KSZE. Völlig zu Recht beklagen die Unterzeichnenden, dass die dort getroffenen Vereinbarungen nicht eingehalten wurden. Nur: Wenn darin Menschenrechte, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und unverletzliche Grenzen vereinbart werden, dann ist es gerade Russland nicht gelungen, den Wandel zu vollziehen. Die Länder, die sich entschiedener dem Westen geöffnet haben, sind in großer Zahl erfolgreicher in der Umsetzung gewesen. Diesen Weg wollte die Ukraine jetzt auch gehen. Obwohl sie (gegen Geist und Buchstaben des Budapester Memorandums) massiv unter Druck gesetzt wurde.
 
Wir, die Unterzeichner, appellieren an die Bundesregierung, ihrer Verantwortung für den Frieden in Europa gerecht zu werden. Wir brauchen eine neue Entspannungspolitik für Europa. Das geht nur auf der Grundlage gleicher Sicherheit für alle und mit gleichberechtigten, gegenseitig geachteten Partnern. Die deutsche Regierung geht keinen Sonderweg, wenn sie in dieser verfahrenen Situation auch weiterhin zur Besonnenheit und zum Dialog mit Russland aufruft. Das Sicherheitsbedürfnis der Russen ist so legitim und ausgeprägt wie das der Deutschen, der Polen, der Balten und der Ukrainer.
Das kann ich alles genau so unterschreiben. Ja, Entsprannung funktioniert nur so, wenn man auf Augenhöhe miteinander redet und Länder wie Georgien, Moldawien oder die Ukraine nicht als Hinterhöfe auffasst, in denen man mit militärischen Interventionen demokratische Prozesse aufhalten, stören oder gar umkehren kann. Und solange Sicherheitsbedürfnis nicht in Paranoia ausartet, ist alles gut, vor allem wenn man das seiner Nachbarn eben auch akzeptiert, einschließlich deren freier und demokratischer Entscheidung, welche Sicherheitspartnerschaften sie eingehen wollen.
Obwohl der Wortlaut sich so liest, meinen die Macher dieses Textes etwas anderes: Durch die Blume (mit einer geschickten Verneinung) fordern sie eine Sonderrolle der russischen Sicherheitsbedürfnisse und einen deutschen Sonderweg, sich aus der westlichen Einstimmigkeit zu lösen und Russland entgegen zu kommen. Das wäre ein fataler Fehler, wenn irgendetwas bislang verhindert hat, dass Novorussia bis nach Transnistrien reicht, dann die Einigkeit des Westens.
Wir appellieren an die Medien, ihrer Pflicht zur vorurteilsfreien Berichterstattung überzeugender nachzukommen als bisher. Leitartikler und Kommentatoren dämonisieren ganze Völker, ohne deren Geschichte ausreichend zu würdigen. Jeder außenpolitisch versierte Journalist wird die Furcht der Russen verstehen, seit NATO-Mitglieder 2008 Georgien und die Ukraine einluden, Mitglieder im Bündnis zu werden. Es geht nicht um Putin. Staatenlenker kommen und gehen. Es geht um Europa. Es geht darum, den Menschen wieder die Angst vor Krieg zu nehmen. Dazu kann eine verantwortungsvolle, auf soliden Recherchen basierende Berichterstattung eine Menge beitragen.
Wer sind bitte „die Medien“. Wo werden ganze Völker dämonisiert? Wo fehlt russische Geschichtskenntnis? Wo ist mangelnde Recherche zu beklagen, bei den Kollegen, die sich unter Lebensgefahr bemühen, ein Bild von der Lage vor Ort zu machen, oder bei jenen Emeriti, die vom Wohnzimmersessel aus Apelle verfassen?
Der Absatz strotzt vor Widersprüchlichkeit. Erst wirft er den Medien Dämonisierung eines ganzen Volkes vor, dann spricht er selber von der „Furcht der Russen“. Die Russen haben keine Angst vor uns. Die russische Führung hat Angst. Vor dem eigenen Volk. Vor einem Maidan in Moskau. Deshalb geht es eben doch um Putin. Staatenlenker kommen und gehen, das ist richtig, die Frage ist nur: Wann und auf welche Weise? Und wieviel Unfrieden darf er in Europa stiften, um sich im Sattel zu halten, obwohl seine Versuche die Wirtschaft zu reformieren und die Korruption zu bekämpfen ohne nachhaltigen Erfolg waren. Seitdem paart sich Repression nach innen mit Aggression nach außen. Das muss man doch sehen, wenn man hinsieht.
Die Menschen sollen keine Angst mehr vor dem Krieg haben. Aber selber schürt dieser Aufruf genau diese Angst. Und nicht einmal zu Unrecht. Die militärischen Interventionen Russlands in Europa rücken uns immer näher, und es ist vernünftig, sich Sorgen zu machen.
Am 3. Oktober 1990, am Tag der Deutschen Einheit, sagte Bundespräsident Richard von Weizsäcker: „Der Kalte Krieg ist überwunden. Freiheit und Demokratie haben sich bald in allen Staaten durchgesetzt. … Nun können sie ihre Beziehungen so verdichten und institutionell absichern, dass daraus erstmals eine gemeinsame Lebens- und Friedensordnung werden kann. Für die Völker Europas beginnt damit ein grundlegend neues Kapitel in ihrer Geschichte. Sein Ziel ist eine gesamteuropäische Einigung. Es ist ein gewaltiges Ziel. Wir können es erreichen, aber wir können es auch verfehlen. Wir stehen vor der klaren Alternative, Europa zu einigen oder gemäß leidvollen historischen Beispielen wieder in nationalistische Gegensätze zurückzufallen.“
 
Bis zum Ukraine-Konflikt wähnten wir uns in Europa auf dem richtigen Weg. Richard von Weizsäckers Mahnung ist heute, ein Vierteljahrhundert später, aktueller denn je.
Ja, wer predigt denn europäische Einigung, und wer predigt Nationalismus? Polen hat es geschafft, das Baltikum hat es geschafft, die Tschechen haben es geschafft, die Slowaken, die Ungarn (auch wenn die gerade straucheln). Die Ukraine will es auch schaffen: Den Weg der europäischen Integration zu gehen. Nur Russland hat sich dagegen entschieden. Dort denkt man wieder in Machtblöcken, will mit der Eurasischen Union ein Gegengewicht schaffen, zentral gelenkt aus Moskau, statt konsensorientiert aus Brüssel. So die Völker die freie Wahl haben, lästern sie über die Brüsseler Behäbigkeit, ziehen sie aber dem strammen russischen Diktat vor. Das ist Putins Problem.
Die Situation ist doch die, dass auf halber Strecke die Russische Föderation diesen Prozess einseitig abgebrochen hat und volle Kraft zurück fährt. Ja, das gefährdet den ganzen Prozess, die ganze Friedensordnung, wie Angela Merkel es in aller Deutlichkeit formulierte. Und sie hat recht. Denn niemand von den Unterzeichnenden, hat auch mit nur annähernder Kraft, Konsequenz und Beharrlichkeit den Dialog mit Putin so ernsthaft und ehrlich gesucht wie sie. Auch keiner der atlantischen oder europäischen Partner, übrigens.
Das war Deutschlands Rolle: Das Gespräch suchen, die von russischer Seite bereits auf die Stufe militärischer Intervention geschraubte Eskalationsspirale nicht außer Kontrolle geraten zu lassen. Man hat im Westen Deutschland vertraut. Und Deutschland mit seiner Kanzlerin und ihrem Außenminister wurden von Russland auf herbste Weise brüskiert. Keine der Zusagen wurden eingehalten, Deutschland bewegte die Ukraine zu Zugeständnissen, die von russischer Seite schamlos ausgenutzt wurden. Auch bei offensichtlichen Tatsachen wird dreist gelogen.
Weizsäckers Mahnung befolgen heißt genau das: Keinen deutschen Nationalismus, keine Alleingänge, keine Auflösung der Europäischen und Transatlantischen Bindungen. Ein verlässlicher Partner bleiben, auch für die Ukraine. Und auch für Russland, wenn es sich entscheidet, die militärischen Abenteuer zu beenden, und zu Methoden der Konfliktlösung zurückzukehren, die der Charta von Paris entsprechen.
Das ist nicht zu viel verlangt,
Heidelbaer
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Der Aufruf im Original:
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Weitere lesenswerte Antworten auf diesen Aufruf:
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Und die Antwort des ukrainischen Botschafters:

Dilettantenball des FSB

Heute 1. Lektion: Wir montieren einen Boeing-Jet als MH17 in eine russische Luftbildkarte von 2011 …

Today 1. lesson: How to mount a Boeing jet as MH17 in a russian aerial map from 2011 …

mh17ps

I’m sure it’s the Boeing image, because the shadow on the left wing disappeared while the shadow on the horizontal stabilizer ist still to be seen. Obviously the one who worked on this fake didn’t even understand that the dark part on the left wing that he overpainted is a shadow and no color.

… Ach ja, die Übungsschritte:

Das Blau am Heck und den Schatten auf der linken Tragfläche maskieren und mit der Umgebungsfarbe übermalen, ein Stück Landeklappenspalt runterkopieren, Die Schrift am Seitenleitwerk etwas verwischen, ein Stück der Schrift am Rumpf abdecken, maskieren, weiche Auswahlkante, Auswahl verkleinern, das ganze stark unscharf machen und hepp, raus damit und ins Luftbild rein. Auf eine Ebene kopieren, Farbe raus, und ein bischen verkleinern oder die Kompression ändern, damit die Artefakte sich angleichen. Feddisch!

😀 Ok, die Profiversion. Ein paar Minuten nach mir, aber dafür wesentlich gründlicher:

https://www.bellingcat.com/news/2014/11/14/russian-state-television-shares-fake-images-of-mh17-being-attacked/

http://www.buzzfeed.com/maxseddon/russian-tv-airs-clearly-fake-image-to-claim-ukraine-shot-dow

Mehr zu Bellingcat und MH-17: https://criticusnixalsverdruss.wordpress.com/2014/11/09/was-heute-in-den-deutschen-zeitungen-fehlt/

Dazu nachträglich noch ein kleines Best Of:

http://newsdaily.com.ua/post/551227

… und noch eins von mir:

ChameleonKl

MH-17 – Was in den deutschen Zeitungen fehlt …

… dagegen in keiner niederländischen: Der Bellingcat-Abschlussbericht der Open Source Analyse zu MH-17:

https://www.bellingcat.com/news/uk-and-europe/2014/11/08/origin-of-the-separatists-buk-a-bellingcat-investigation/

Auch als PDF: https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2014/11/Origin-of-the-Separatists-Buk-A-Bellingcat-Investigation1.pdf

And in Russian language: http://globeukraine.blogspot.de/2014/11/bellingcat.html

Und auf Deutsch: https://www.bellingcat.com/wp-content/uploads/2014/11/bellingcat_-_bericht.pdf

Wem Bellingcat gar nichts sagt: Bellingcat ist eine Gruppe von Journalisten, Fachleuten und Aktivisten um Elliot Higgins alias Brown Moses, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, durch Open-Source-Recherche und -Analyse falsche Behauptungen von Propagandamedien und politischen Quellen zu entlarven oder Informationslücken in der öffentlichen Berichterstattung zu schließen. Higgins Arbeit begann mit der Zuordnung von Waffen und Aktivitäten in Syrien und Bellingcat hat jetzt einen Bericht vorgelegt, der die Schuldfrage des MH17-Abschusses fast lückenlos klärt. Vermutlich deutlicher, als es der offizielle Untersuchungsausschuss je leisten können wird. Die besonders betroffenen Länder Malaysia, Australien und die Niederlande werten ihn als ausreichenden Beweis für die Schuld Russlands. Der vorliegende Bericht bildet nicht den Abschluss, die Recherchen gehen weiter. https://www.bellingcat.com/

Ein NDR-Bericht über Elliot Higgins alias Brown Moses,  den Autor dieser Untersuchung:

http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/Einzigartig-Brite-entraetselt-Kriegsbilder-,zapp8148.html

Der König der Lügen

Strelkownase2 Kopie

str1http://www.businessinsider.com/igor-strelkov-comments-on-malaysia-mh17-2014-7

 

str2https://translate.google.de/translate?hl=de&sl=ru&tl=en&u=http%3A%2F%2Fvz.ru%2Fnews%2F2014%2F9%2F11%2F705167.html

Zusammenfassung der Erkenntnisse zu MH-17

Bevor heute der Zwischenbericht zum Abschuss von Flug MH-17 bekanntgegeben wird, hier noch einmal eine kleine Zusammenfassung dessen, was bisher bekannt ist. Das Material lässt keine Zweifel offen, was wir heute lesen oder hören werden. Es wird keine Freude für Putin sein, dessen Wahrheitsministerium nach anfänglicher kreativer Geschichtsumschreibung, die in vertauschten Passagieren und Flugzeugen gipfelte, seit Wochen die völlig normale Dauer der Untersuchung und das völlig normale Stillschweigen der Untersuchungskommission zu mystifizieren versuchte.

Was das Flugzeug zerstört hat:

http://www.smh.com.au/world/photo-of-mh17-wreckage-proves-missile-attack-claims-report-20140722-zvjur.html

Das Buk-System:

https://bellingcat.com/news/uk-and-europe/2014/09/08/images-show-the-buk-that-downed-flight-mh17-inside-russia-controlled-by-russian-troops/

Wann war das Raketensytem wo:

http://www.interpretermag.com/evidence-review-who-shot-down-mh17/

Wer schoss damit:

http://www.bbc.com/news/world-europe-29109398?ocid=socialflow_twitter

http://nypost.com/2014/07/31/soldiers-selfies-might-prove-russias-role-in-ukraine/

Raketensplitter und Telefonmitschnitte werden noch untersucht:

http://www.reuters.com/article/2014/09/12/us-ukraine-crisis-mh17-investigation-idUSKBN0H718K20140912?utm_source=twitter

Ein russischer General hält den Abschuss mit einer Buk-Rakete für so gut wie sicher:

https://translate.google.de/translate?sl=auto&tl=en&js=y&prev=_t&hl=de&ie=UTF-8&u=http%3A%2F%2Fria.ru%2Fmh17%2F20140910%2F1023539819.html&edit-text=

Auf dieser Seite werden laufend neue Erkenntnisse zusammengetragen:

https://bellingcat.checkdesk.org/en

Der Zwischenbericht der Untersuchungskommission …

der die Behauptungen der russischen Regierung in allen wesentlichen Punkten als Lügen entlarvt:

Zusammenfassung: http://www.onderzoeksraad.nl/en/onderzoek/2049/investigation-crash-mh17-17-july-2014/preliminary-report/1562/preliminary-report-points-towards-external-cause-of-mh17-crash#fasen

Detailliert als PDF: http://www.onderzoeksraad.nl/uploads/phase-docs/701/b3923acad0ceprem-rapport-mh-17-en-interactief.pdf

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