Eure Nerven möchte ich haben!

 

Letztes Jahr waren russische Bomber nach einem Augenzeugenbericht über britischem Festland unterwegs, nicht nur über internationalen Gewässern. Sie übten über der Ostsee wiederholt den Prozess des Scharfmachens von Atombomben. Putin bedrängt und bedroht im Ostseeraum. Scheinangriffe und Provokationen gegenüber einem US-Schiff und einem US-Flugzeug letzte Woche sollen aggressiver und riskanter gewesen sein als alle Begegnungen der letzten Zeit.

http://edition.cnn.com/2016/04/15/politics/mark-ferguson-naval-forces-europe-russian-submarines/index.html

http://thenews.pl/1/10/Artykul/249167,Russian-helicopters-violated-Polish-air-space-report

http://news.err.ee/v/news/f6e80834-68fc-4b7a-989a-86e4cc05da78/analyst-russian-intelligence-trying-to-intimidate-us-soldiers-in-baltics#.VxaSfHiVcoY.twitter

Wir befinden uns im Krieg. …

Der Leiter des Putin direkt unterstellten Investigativkommitee der russischen Föderation Alexander Bastrykin sagt, dass der hybride Krieg, den natürlich die USA und ihre Verbündeten begonnen hätten, sich in einer Phase der offenen Konfrontation befindet und politisch, wirtschaftlich, auf der Informationsebene und legal geführt werde. Als Abwehrmaßnahme Russlands schlägt er das Ende der Reste demokratischen Anspruchs in Russland zugunsten einer noch stärkeren nationalen Ideologisierung vor.
(http://www.intellinews.com/stolypin-bastrykin-s-manifesto-for-the-north-koreanisation-of-russia-95400/)

Eine klassische Maxime der Desinformation: Russland wirft dem Westen genau das vor, was es selbst tut:
http://www.chathamhouse.org/publication/agents-russian-world-proxy-groups-contested-neighbourhood#

Yury Felshtinski, ein russischstämmiger US-Historiker meint, dass Putins militärische Expansionspolitik erst am Anfang stünde. Russland könne nur zwei Dinge produzieren. Waffen und bewaffnete Konflikte. Erstere seien gerade bei sinkenden Ölpreisen die Haupteinnahmequelle des Staates und das zweite sei das Instrument um den politischen Einfluss auszuweiten. Putin tue das, weil es das einzige Feld sei, auf dem Russland wettbewerbsfähig sei.
Putin suche aktuell weiter nach Mglichkeiten Konfliktherde zu produzieren. In Abchasien und Südossetien um einen neuen Krieg mit Georgien zu führen, auf der Krim und in der Ostukraine, um den Krieg gegen die Ukraine fortzuführen, in Transnistrien um Moldawien einzunehmen, in Syrien und Kurdistan um die Nato zu spalten, die Türkei zu destabilisieren und einen großen Krieg im mittleren Osten zu entfesseln, der die Ölpreise nach oben treiben würde. Den Karabach-Konflikt um sich Armenien unterzuordnen, Militärbasen in Weißrussland als Waffenlager für die Annexion Weißrusslands, „Die russische Frage“ in den baltischen Staaten als Anlass für eine Intervention in den baltischen Ländern und die Wiederanbindung Kaliningrads an das kontinentale Russland, Provokationen in Richtung Finnland und Schweden für eine Intervention in Finnland unter dem Vorwand, dass sie nicht Natomitglieder werden dürften, die Besetzung der Arktis um Konflikte mit Kanada zu verschärfen, und schließlich die Forderung nach Rückgabe des vor 150 Jahren verkauften Alaska an Russland als Beginn eines offenen geopolitischen und militärpolitischen Konflikt mit den USA unter Einsatz atomarer Erpressung gegen die ganze Welt.
Felshtinsky verweist auf ein Detail eines diesjährigen Novaja-Gaseta-Artikels: Dieser sieht die Rückgabe Alaskas nicht als Geschenk an Russland als Staat, sondern an Putin persönlich. Und es sei verständlich warum: Russland und die Russen brauchen weder die Krim noch die Ostukraine oder Alaska angesichts des Preises, den sie dafür zahlen mussten und müssen. Die einzigen Menschen, die dies brauchen, sind Putin und seine kleine Junta von fünf bis sieben der obersten KGB/FSB-Offiziere, die heute Russland führen. Diese Leute sind sehr gefährlich, weil sie nicht in die Staatsorgane gekommen sind um etwas aufzubauen, sondern um zu unterdrücken, zu töten, zu kontrollieren, zu provozieren, zu spalten, zu stehlen und zu rekrutieren. Alles Dinge, von denen sie etwas verstehen und die sie mit Begeisterung tun.
(http://windowoneurasia2.blogspot.co.at/2016/04/putins-military-expansion-only.html)

Putins aggressive Expansionspolitik, der steile Anstieg der russischen Rüstungsausgaben, die rasante Zunahme der Zahl der Propagandakanäle im Westen, … all das begann schon vor mehr als zehn Jahren, vieles kurz nach Putins erstem Amtsantritt.

 

CgMAjirUYAI8dCd

Russische Propagandaseiten in Ungarn

rüstungsausgaben

Militärausgaben

Putin ist nicht am Ende, sondern am Anfang ...

Er hat eine 400.000-Mann Nationalgarde gegründet, die innere Unruhen niederschlagen soll. Die westlichen Sanktionen haben ihn nur gebremst, er kürzt die Wirtschaft und Sozialleistungen zu Tode, aber rüstet unverdrossen weiter auf. Auch und besonders nuklear. Die meisten Geschäfte mit dem Westen laufen weiter, die Kriege in der Ukraine und in Syrien sind nur vorübergehend verlangsamt. Ein breiter Strom russischer Waffen und auch russischen Militärs fließen weiter dorthin, für eine Ausweitung der Konflikte. Putin hilft in Syrien nicht im geringsten den IS zu bekämpfen, sondern er stabilisiert Assad und unterstützt die kurdischen Kämpfer im Krieg gegen die Türkei.
Und es mehren sich die Stimmen in Europa, die fordern die Sanktionen zu beenden. Mithin Putin den Geldhahn für seine Rüstung wieder voll aufzudrehen. Früher oder später werden sie sich durchsetzen, denn Europa zerfällt weiter. Russische „NGO’s“ und „Journalisten“ können unter dem Anspruch freier Meinungsäußerung weiter ungehindert ihr Propagandagift verspritzen, der Faschismus in Europa nimmt weiter zu, die inneren Spannungen nehmen weiter zu, der Hass auf Ausländer, auf Muslime und Flüchtlinge, auf sexuell oder andere Andersartige, auf politische Gegner, auf die eigenen Regierungen, die EU, die Nato und die USA. Die Bewaffnung der Bürger nimmt rasant zu und die Gründung von nichtstaatlichen militärischen Kampfgruppen, die eines Tages bereitstehen werden um demokratische Regierungen zu stürzen.
Es wird täglich unerträglicher in Deutschland und Europa. Statt dass die demokratischen Politiker und Parteien geschlossen gegen Russland und den neuen europäischen Faschismus aufstehen, ziehen sie den Schwanz ein und reden beiden nach dem Maul. Entsprechend verlieren sie an Unterstützung und wächst die Zustimmung zum Original, den Rechtsextremisten. Für Demokraten und friedliebende Menschen wird es langsam Zeit, die Koffer zu packen. Wir wissen aus der Geschichte des letzten Jahrhunderts genau wie es weitergeht!
Nein, ich glaube, Ihr habt gar keine Nerven, liebe Politiker. Ihr seid einfach nur dumm, oder korrupt, oder scheißt Euch ein statt Freiheit und Demokratie zu verteidigen, wie Ihr es vollmundig 70 Jahre lang tun wolltet. Seit dem letzten Faschismus. Und Ihr lasst Europa ins Messer laufen.

http://www.reuters.com/article/us-poland-russia-nato-idUSKCN0XG0UB?feedType=RSS&feedName=topNews&utm_source=twitter

http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article154502603/Der-grosse-Brandbeschleuniger-und-seine-Freunde.html

Former Soviet Fighter Pilot: Russian Jets ‘More Aggressive’ Than During Cold War

 

 

 

Compact – die ganze Wahrheit

putindoppelagent3

Seit Donnerstag auch an Deinem Kiosk. Hier ein kurzer Auszug:

Als Putin sich als Schüler der neunten Klasse vergeblich beim KGB beworben hatte, war er dermaßen frustriert, dass sein Vaterland seinen Wunsch abgelehnt hatte ihm zu dienen, dass er für die Anwerbeversuche eines CIA-Agenten offen war, den er 1978 als Jurastudent auf einem Joan Baez-Konzert in Leningrad kennenlernte. Er wurde während der Jahre seines Jurastudiums von der CIA ausgebildet und gab, nachdem er sein Studium beendet hatte und sich diesmal erfolgreich beim KGB bewarb, wichtige Daten an die USA weiter. Während der Wendeumbrüche lieferte er aus Dresden gute Lageeinschätzungen, an Hand derer die CIA die Entwicklung in der DDR bewerten konnte. Besonders wichtig wurden seine Informationen als er im Anschluss an seine Zeit in Dresden schließlich bis zum Chef des FSB aufstieg. Als er dann das Präsidentenamt antrat, ruhte seine Tätigkeit bis auf Weiteres. Er war praktisch in den Schläferzustand versetzt worden. Erst als die UN beschloss militärisch gegen Gaddafi vorzugehen, wurde er wieder gebraucht. Einem geheimen Zirkel innerhalb der CIA war Präsident Obama zu lasch geworden. Insbesondere, dass er sich weitestgehend aus dem Libyenkonflikt heraushielt und das Feld den Europäern überließ, ärgerte sie. Sie reaktivierten Putin, um an Obama vorbei eine aggressivere US-Außenpolitik provozieren zu können. So wuchs Putin eine immer bedeutendere Rolle dabei zu, den Ost-West-Konflikt wiederzubeleben, weil nur so die USA einen Vorwand haben, Staaten im Nahen Osten und anderen rohstoffreichen Regionen zu besetzen und auszubeuten. Außerdem soll er die Wirtschaft Russlands nachhaltig durch überzogene Rüstungsausgaben und provozierte Sanktionen schädigen und so den USA eine Vormachtstellung auf dem Weltmarkt sichern. Die dritte wichtig Aufgabe ist es, das Ansehen Russlands in der internationalen Politik nachhaltig zu schädigen, vor allem um Russland als Konkurrenten der USA auf den asiatischen Markt auszuschalten.

Außerdem in dieser Ausgabe:
Das Geständnis von Kathi Witt: Ich hatte ein Verhältnis mit Putin. Es dauerte aber nicht lange. Er konnte nur, wenn Tierfilme beim Sex liefen. Ich fand das nicht normal.

Und neue Beweise für Erdogans Öldeal mit ISIS:
CVdL3pbWcAA7fFD

Once upon a time …

sao-jorge-e-o-dragao

Vor langer langer Zeit hat Kain Abel erschlagen. Was keiner weiß, Kain war Amerikaner. Nachdem er Abel ermordet hatte, hat er seine Mutter vergewaltigt, weil er keine Schwester hatte, aber den CIA-Auftrag, die Amerikaner zu vermehren. Anschließend druckte er Anteilsscheine für den Baum der Erkenntnis. Wer etwas wissen wollte bekam einen Anteil am Baum, aber keine Erkenntnis. So entstand der Kapitalismus. Eines Tages starb der Baum und damit auch die Erkenntnis. Da wurde Lenin geboren. An der Stelle, wo der Baum gestanden hatte. Und er hatte die Erkenntnis. Allen leuchtete ein Leben in Glück und Frieden. Aber als schon viele Scheinbesitzer, die dem im Wege standen, eliminiert waren, flogen die amerikanischen Nachfahren Kains auf den Mond, stellten dort eine Strahlenkanone auf und beschossen damit die Erde. Alle, die von den Strahlen der Bilderbergerkanone getroffen wurden, glaubten, dass ihre Scheine wieder etwas wert seien und so kam das Glück des Sozialismus zum erliegen. Doch wie so oft nahm das Schicksal eine unerwartete Wende und es nahte ein weißer Ritter. Er verriet allen Verstrahlten wie die Strahlenkanone funktioniert. Mit seiner Hilfe nahm ein kleiner Held des Sozialismus den selbstlosen Kampf gegen Goliath auf. Den Kampf für die Befreiung von der Freiheit. Wird er ihn gewinnen?! Noch schießt die Strahlenkanone der Amerikaner brutal. Fortsetzung folgt.

A long long time ago Cain killed Abel. What no one knows, Cain was American. After he murdered Abel, he raped his mother, because he had no sister, but the CIA mission to breed Americans. Then he printed share certificates for the tree of knowledge. Who wanted to know something got a share of the tree, but no knowledge. This way capitalism emerged. One day, the tree died and with it the knowledge. Then Lenin was born. At the spot where the tree stood before. And he had the knowledge. A life of happiness and peace lit up to all. But when already many share owners who stood in the way, were eliminated, the American descendants of Cain flew to the moon, established a ray gun and thus rayed the earth. All those who were hit by the rays of the Bilderberger cannon, believed that their certificates were worth something again and so the happiness of socialism came to a standstill. But as so often the fate took an unexpected turn and a white knight appeared. He told all contaminated how the ray gun works. With his help a little hero of socialism took on the selfless fight against Goliath. The struggle for the liberation from freedom. Will he win?! Still the ray gun of the Americans shoots brutally. Sequel follows.

Wenn das Großhirn zum Kleinhirn wird

paranoia

Seit den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts hat die Angst vor amerikanischen Regierungsorganisationen einen festen Platz im klinischen Bild der paranoiden Schizophrenie. Ein anschauliches Beispiel ist das in dem Film „A Beautiful Mind“ dargestellte Krankheitsbild des Mathematikers John Nash. In allen Lebenslagen fühlen sich Menschen verfolgt und abgehört. Selbst im Bett oder auf der Toilette. Aktuell nimmt diese Erkrankung allerdings besonders in Deutschland epidemische Formen an. Deshalb plädiere ich dafür, dass US-Paranoia als eigenständige, chronische Erkrankung anerkannt wird. Sie führt zu starker intellektueller Flatulenz, ist hochgradig infektiös und nur in den seltensten Fällen heilbar oder regressiv. Sie ist nahezu therapieresistent, weil es fast immer an jeglicher Compliance der Erkrankten fehlt. Die Patienten verlieren jede Orientierung und jeden Halt eines Koordinatensystems von ethischen oder moralischen Werten, wenn sie ein Stadium erreicht haben, in dem sie sich vollständig in ihre Selbstwahrnehmung als Opfer zurückgezogen haben. Aus dieser Position lässt sich jede eigene Aggression als Verteidigung rechtfertigen. Ob dieses Wertesystem, das initial meist zumindest rudimentär vorhanden ist, vorher durch Kirche, Staat oder Gesellschaft anerzogen wurde oder sich durch eigene Erfahrungen etablierte, spielt dabei keine nennenswerte Rolle. Schon die kleinste Konfrontation auch nur mit Symbolen des Objekts ihrer Paranoia löst unberechenbare und impulsive proaktive Reaktionen aus, die man auch als singuläre, vom Auslöser nahezu vollständig abgekoppelte Aggressionen betrachten kann. Der Auslöser ihrer paranoiden Attacken wird damit zu einem marginalen Alibielement ihrer Aggressionen. Fühlt sich beispielsweise ein Patient , der sich durchaus selbst als links einschätzt, durch den US-Kapitalismus bedroht, kann man Aussagen wie „Schade, dass Hitler nicht auch alle Rothschilds vergast hat“ hören oder lesen.

rothschildsVergasen

Das Krankheitsbild geht häufig nahtlos in die Manifestation einer politischen Amnesie über. Politische Entwicklungen, die jedem unabhängigen Medium zu entnehmen waren und sind, werden partiell völlig aus dem Bewusstsein ausgeblendet und ihre Existenz wird aus scheinbar tiefster Überzeugung geleugnet, wenn sie mit der US-Paranoia intellektuell nicht vereinbar sind. Dringt man in tiefere kognitive Ebenen vor, zeigt sich, dass die Ausblendung nicht, wie man vermuten könnte, bereits bei der Rezeption des Zeitgeschehens geschieht, sondern dass die Informationen durchaus aufgenommen werden. Hinterfragt man nämlich die paranoiden Darstellungen der Patienten, bekommt man Fantasiedarstellungen der Patienten zu hören, die versuchen ihre Paranoia in Formen, die manchmal bis in den Bereich schizoider Widersprüchlichkeit reichen, mit den realen Ereignissen in Einklang zu bringen. Diese Fantasiedarstellungen zeigen eindeutig, dass in einer tieferen, verdrängten Bewusstseinsebene sehr exakte Kenntnisse bereitstehen, um in diese Projektionen integriert zu werden.

Eine weitere Form, der Konfrontation mit der Realität aus dem Wege zu gehen, ist das entschlossene Negieren der Existenz unabhängiger Medien. Alles was nicht die eigene Paranoia bestätigt, wird als Lügenpresse bezeichnet. Ein globales Informationsnetz nicht nur von politisch unabhängigen professionellen Journalisten, Zeitungen, Fernsehanstalten und Nachrichtenagenturen, sondern auch von humanitären Organisationen wie Amnesty International, Human Rights Watch, Ärzte ohne Grenzen oder dem Roten Kreuz wird pauschal als vom US-Kapitalismus gesteuert betrachtet und an deren Stelle sucht sich der Patient Informationen die seine gewünschte „Wahrheit“ enthalten aus Blogs und Youtube-Kanälen zusammen, in denen sich gleichgelagerte Fälle gegenseitig in ihrem Krankheitsbild bestätigen und verstärken. Auf diese Weise entwickelt sich mit wachsender Dynamik eine Massenpsychose, wie man sie aus den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts kennt.

Ähnlich der Pharmaindustrie gibt es auch Medien, die besonders gut daran verdienen, die Bedürfnisse dieser Patienten zu decken, und dabei ihrer Krankheit selbstinduzierend ständig neue Nahrung zu liefern. Gibt man beispielsweise bei Google die Begriffe „NSA“, „Waffenlobby“ und „Kapitalismus“ ein, ist die erste Fundstelle nicht, wie man vermuten könnte, die Internetseite der Linken, eine von Marxisten, Sozialisten, oder Russia Today, sondern die des SPIEGEL. Einer Zeitung, die seit Jahren keinen Tag vergehen lässt, an dem sie nicht mehrere Online-Artikel mit Horrorgeschichten über die USA veröffentlicht und die sich gierig auf das Snowden-Material stürzte, dass Greenwald ihr anbot. Das Material reichte, um über mehr als ein halbes Jahr täglich bis zu sieben, acht oder noch mehr Artikel über die NSA zu schreiben. In dieser ganzen Zeit erschienen zwei oder drei Berichte über vergleichbare Aktivitäten Russlands, wie Forenbots, Trollfarmen, oder die lückenlose Überwachung aller Onlinedaten, egal ob Forum, Blog, Website oder Mailverkehr. Das I-Tüpfelchen auf dem Antiamerikanismus des SPIEGEL sind allerdings die teils haarsträubend antisemitischen Kommentare von Augstein. Man darf Augstein getrost als ebenfalls schwer erkrankt betrachten. Ein Medium von Kranken für Kranke! Wer eine noch höhere Dosierung benötigt, erhält sie, wenn er direkt zu Augsteins FREITAG greift. Dort werden die Beiträge gleich von einer ganzen Reihe Querfrontlern bestritten. Wenn sich nicht hinter manchen Autoren wie z.B. einem „Springstein“ Jakob Augstein selbst verbirgt.

Wenn jeder Politiker für Arschlöcher hält, werden auch nur noch Arschlöcher Politiker.

Ein paar Gedanken zum G7-Treffen in Lübeck: Auf der Facebookseite des Auswärtigen Amtes wurde der Sinn und Nutzen des Treffens u.a. damit gerechtfertigt, dass man eng zusammenarbeiten müsse, um Konflikte wenigstens zu entschärfen. Der Anspruch, Konflikte um jeden Preis „wenigstens zu entschärfen“, verkennt meiner Meinung nach, dass dazu mindestens zwei gehören. Politik wird von Menschen gemacht und je weniger demokratisch eine Regierung ist, desto mehr wird die Politik eines Landes von dem Charakter einzelner Politiker bestimmt. Und bei denen gibt es, wie wir aus der Geschichte wissen, ein breites Spektrum. Da sich in der Praxis leider immer noch nicht gerade die wohlmeinensten und empathiefähigsten bis in die Spitze der Politik durchsetzen, darf man nicht zu viel von ihnen erwarten. Je mehr die Bürger ihre Politiker verachten oder hassen, desto schlechter wird die Auswahl derer, die noch Politik machen wollen. Diejenigen, denen es primär um Demokratie, Frieden, Menschenrechte, Völkerverständigung, Resourcenschonung und andere wichtige Werte des globalen Zusammenlebens geht, sind leider eher in der Minderheit. Das andere Extrem, Diktatoren, die nur ihren Machterhalt und ihr persönliches Wohlergehen im Sinn haben und die dafür über fünf-, sechs-, oder siebenstellige Zahlen an Leichen gehen, zum Glück auch. Aber es gibt sie immer wieder, weil die meisten Bürger, falls überhaupt, immer erst aufwachen, wenn es zu spät ist, solche Menschen daran zu hindern, ihre Macht mit blanker Gewalt zu konsolidieren. Wer in der Demokratie einschläft, wacht bekanntlich in der Diktatur auf. Ihre Namen sind bekannt. Hitler, Stalin, Mao, Pol Pot, etc. Sie sind bereit, jedes Gesetz und jeden Vertrag zu brechen, wenn sie sich auf die blanke Gewalt ihrer Armeen und Geheimdienste verlassen können. Mit ihnen Verträge auszuhandeln, kann einem im besten Fall kurzfristig etwas Luft verschaffen. So wie einer Maus, die die Katze gerade langweilt. Und zu diesen Charakteren gehört unzweifelhaft auch Wladimir Putin, der sich schon früh in den beiden charakterlich übelsten Berufsfeldern betätigt hat, die Russland zu bieten hat. Dem KGB und der Mafia. Von ihm die geringste Kompromissfähigkeit zu erwarten, die nicht seinem egoistischen oder machtpolitischem Kalkül entspringt, ist ein schwerer Fehler, den man teuer bezahlen wird. Ihm kann man nur mit Härte begegnen. Man muss ihn nicht unnötig provozieren. Aber umgekehrt kann man auch nicht die notwendige Härte unterlassen, weil jemand mit einem solchen Charakter sowieso alles als Provokation empfinden oder zumindest benennen wird, was ihn stört. Wie objektiv berechtigt, legal und legitim es auch immer sein mag.

Russia calling

Glaubt man den Forenbeiträgen angeblicher deutscher Medienkonsumenten und den Aufrufen deutscher Journalisten, Kulturschaffender und Politiker, kann es nur ein Traumland für Deutsche geben: Russland! Man kann nur jedem von ihnen empfehlen, einmal dort hin zu reisen. Vielleicht geht es ihnen dann ja wie dem kleinen Bär und dem kleinen Tiger von Janosch bei ihrer Rückkunft von der Suche nach Panama. Sie stellten fest, dass es doch zu Hause am schönsten ist. So schön wie in Panama. Wie der große dicke Waldbär sagen würde: Warum? Darum!:

Die Einkommensungleichheit, Rot bedeutet die größte Ungleichverteilung im Jahr 2014

 

Der Korruptionsindex, Rot bedeutet die höchste Korruption im Jahr 2012

 

Physische Gewalt, Rot bedeutet die meisten Fälle im Jahr 2004

 

Tödliche Körperverletzungen, Rot bedeutet die meisten im Jahr 2004

 

Mordrate, Violett bedeutet die höchste im Jahr 2009

 

Tötungsdelikte pro 100.000 Einwohner in Zahlen:

 

Abgesehen von den nicht seriös zu erfassenden Umsätzen der organisierten Kriminalität sind damit wohl alle wichtigen Parameter dargestellt, die Auskunft darüber geben, wie mafiös ein Staat ist. Also, nix wie hin, liebe Amerikahasser! Lasst die westliche Bevormundung, Unterdrückung und Ausbeutung hinter Euch! Aber bitte geht in das gelobte Land und versucht es nicht hier her zu holen. Ich glaube, ich bin nicht der einzige, dem diese Vorstellung missfällt!

Vladimir Putin: The Russian World is coming to Europe

PutinFuehrer2President Putin’s Direct Line on April 17 offered a wonderful opportunity for reflecting on the present and the future of European civilization. The head of state sought to express his most fundamental ideas about the current geopolitical environment in Europe, and it was clear that his outlook on this issue is holistic and dynamic, yet inherently precise.
First of all, Putin made it plain that he still considers Europe to be a single integrated civilization stretching from Lisbon to Vladivostok. He sees no need to “carve out separate civilizations,” by delineating the boundaries of which lands look to Russia, vs. those that identify more with Europe.
But Russia cannot possibly accept the idea of NATO inching toward its borders. The problem with this treaty on collective security is that it ignores Russia’s interests – if NATO could only incorporate Russia, many of the problems would disappear.
Russia finds the external imposition of extremely liberal moral values to be inappropriate, and on this issue Russians have much in common with the more principled majority of the European public – but their opinions are not verbalized by the official policy makers because of the latter’s over-dependence on Washington and Brussels. The Russian president pointed to his beloved Germany, where he claims fears of American surveillance force the politicians into the hallways to confer in whispers. But Putin noted that the political elite cannot entirely disregard the majority position, and the fact that they are unable to do so must be counted as a victory for Viktor Orbán and his colleagues in Hungary, as well as the result of advances made by the European Right overall.
Putin hardly views Europe as an alien civilization, on the contrary, the continent represents a battleground between a liberal individualism that is truly alien to Russia vs. a European traditionalism, which – although still held captive by its Atlantic partnerships – is closer to Russia’s heart. The Russian world the president spoke about at the end of his show is a community of Russian speakers of varying nationalities who are scattered across the globe – a single people with its own, distinct genetic code, a people who do not fear death and who disdain mindless creature comforts – it is the world that is able to provide contemporary Europe with what it seems to lack – namely, the courage to defy culturally alien dictates imposed from the outside.
In his responses to the media Putin made it clear that he was well acquainted with the political leaders of Europe and had great respect for them, emphasizing that they are very admirable and deeply professional individuals, but that they are all bound by a certain, utterly spurious, ideological solidarity – one that is both anti-conservative and anti-Russian. They cannot support Russia’s position in the conflict with Ukraine, even when the outwardly pro-European forces at the helm there violate the law with anti-Semitic remarks in their pursuit of power.
But meanwhile, a keen ear can detect the howls of Europe’s true heartland – the people who simply cannot grasp why the EU, which is already bursting at its seams, should welcome in Ukraine, a country that is already depleted, poor, and unstable. That European public sees Putin as the most rational force on the continent anywhere from Lisbon to the Urals, a force that is free of American control and immune to pressure from any unsolicited allies in the East.
The Russian world is on its way to Europe in order to oblige the “official” Europe to listen to its own electorate, a group long forgotten by a European bureaucracy under the thumb of Washington. And for a long time we didn’t understand what was really going on in the silence of those European offices, until Edward Snowden broke the news to us and to the whole world.
And this was, in essence, the challenge that Putin put before the citizens of the West – a admonition to listen to the voice of the majority – in this case the majority of their own countries – and to stop resisting its opinion, with the added warning that if the West persists in this resistance, it should not be surprised if there is pushback. However, he pointedly refrained from any harsh rhetoric against the West. The Russian leader even found kind words for President Obama.
An interesting era of struggle for the identity of Europe has begun – an era to reclaim the entire continent, an era of a new abduction of Europe. Economic pragmatism still has its place, but it is no longer the highest priority – oil and gas are now the arguments in a much more substantial dispute. A dispute of minds. A dispute of ideas. If the Russian world wins this dispute, a place will be found at the table of European nations (perhaps seated at the head) for the new EuroRussia, with its vast, diverse population. But if victory crosses the Atlantic, then a civilization will ascend to the top that has been cribbed from a dystopia created by Aldous Huxley or Anthony Burgess – an spent world in thrall to a cult of hedonistic pleasure that has forgotten the words “Homeland,” “Family,” and “God.”
It turns out that in annexing the Crimea, Russia has not left Europe, but has finally returned to it after two decades of isolation and self-imposed exile from the continent’s fate. And while the Western public reviles the intellectuals and academics who for years went on about Russia’s “uniqueness,” blaming them for the current situation, Putin is celebrating the triumphant return of the Russian state to European civilization, not as an unwelcome guest, but as its imminent liberator.

.
Von Boris Mezhuev
Veröffentlicht bei GlobalResearch

 

.

Tief im Osten, weit voraus

Außenminister Steinmeier hat jetzt in Russland eine seiner besten Reden gehalten. VON  UND 

… „Steinmeier zeigt in Jekaterinburg, wie man klar auf das Geschehene schauen und trotzdem im Gespräch bleiben kann. Er verurteilt die „russische Annexion der Krim“ und die einseitige Verschiebung von Grenzen ohne Achtung für staatliche Souveränität: „So dürfen wir nicht miteinander umgehen.“ Aber er warnt auch, dass die politische Entfremdung nicht auf die Menschen übergreifen dürfe. Und dann macht er Angebote. So schlägt er etwa vor, die EU und die Eurasische Wirtschaftsunion sollten einen Dialog eröffnen. Das greift einen alten Vorschlag auf, für den sich seinerzeit Medwedew starkgemacht hatte, einen gemeinsamen Wirtschaftsraum von Lissabon bis Wladiwostok. Steinmeier spricht vorsichtig von einem „ersten Ansatz“ in diese Richtung, aber er sendet das Signal, dass er hier vieles versuchen will.“ …

http://www.zeit.de/2014/51/frank-walter-steinmeier-russland-rede/seite-2

Steinmeier wörtlich: … „Hier sind einige Beispiele: Eingangs habe ich über Geografie gesprochen und gesagt: Von Jekaterinburg ist es nach Lissabon fast so weit wie nach Wladiwostok. Diese zentrale Lage öffnet vielleicht den Blick für diesen Wirtschaftsraum als Ganzen. Ich habe kürzlich in Deutschland vorgeschlagen, dass wir Möglichkeiten zu einem engeren Dialog zwischen der Europäischen Union und der  Eurasischen Wirtschaftsunion ausloten mit dem Ziel, unser gemeinsames Wirtschaftspotential besser auszunutzen. In einem solchen Dialog könnten wir über wirtschaftliche Synergien genauso konstruktiv sprechen wie über Sorgen oder Interessenskonflikte im Umgang miteinander. Und schließlich kann ein solcher Dialog ein erster Ansatz sein für gemeinsame Schritte in Richtung eines wirtschaftspolitischen Ordnungsrahmens von Lissabon bis Wladiwostok, den Russland immer befürwortet hat. Ich bin sicher: Davon würden beide Seiten profitieren.“ …

http://www.auswaertiges-amt.de/DE/Infoservice/Presse/Reden/2014/141209-BM_Jekaterinburg.html

.

Dazu zwei Anmerkungen:

Boris Mezhuev ist Assistenzprofessor an der Moskauer Staatsuniversität Er hatte auch schon die Möglichkeit seine Ansichten im Valdai Club und im Wiener Institute for Human Sciences darzulegen, dem Kuratoren wie Kurt Biedenkopf, Joschka Fischer und George Soros vorstehen.

Die Eurasische „Wirtschafts“-Union ist kein Vorschlag Medwedews, sondern ein Projekt Putins. Und Putin betrachtet die Wirtschaftunion nur als Zwischenstufe zu einer Eurasischen Union mit einer „übernationalen Machtstruktur“, die die Europäische Union ablösen (und die USA ausschließen) soll.

.

http://www.themoscowtimes.com/opinion/article/future-isn-t-bright-for-eu-russian-relationship/513145.html

 

Wir wollen auch keinen Krieg!

reblogged from http://philippika.blogspot.de/2014/12/wir-wollen-auch-keinen-krieg.html Der jüngst veröffentlichte Aufruf wirklich namhafter Prominenter macht zu Recht Furore. Es sind dort viel zu viele Namen dabei, denen man eben nicht pauschal altlinke Moskautreue, FSB-Verbindungen oder Käuflichkeit durch russische Ölmilliarden vorwerfen kann. Diese Leute sind klug, sie haben oft lange in Verantwortung gestanden, und sie sollten wissen was sie sagen.

Für mich zusätzlich von Gewicht sind die Namen von Theologinnen und Theologen wie die Bischöfin Wartenberg-Potter, Fulbert Steffensky und anderen, die ich zum Teil persönlich kenne und sehr wertschätze. Sie pauschal zu diffamieren kann mir gar nicht einfallen, also – obwohl ich finde, dass schon einiges, eigentlich alles gesagt wurde – will ich mich noch einmal mit ihren Argumenten befassen. Also diesmal Schritt für Schritt:

Niemand will Krieg. Aber Nordamerika, die Europäische Union und Russland treiben unausweichlich auf ihn zu, wenn sie der unheilvollen Spirale aus Drohung und Gegendrohung nicht endlich Einhalt gebieten. Alle Europäer, Russland eingeschlossen, tragen gemeinsam die Verantwortung für Frieden und Sicherheit. Nur wer dieses Ziel nicht aus den Augen verliert, vermeidet Irrwege.

Richtig, wir wollen auch keinen Krieg. Die Frage, ob wir „unausweichlich“ auf Krieg zu treiben, sollte aber kontrovers diskutiert werden. Der Satz ist gleichermaßen eine Unter- wie eine Übertreibung. Untertrieben ist er, weil der Krieg doch schon längst da ist: er wird trotz Waffenstillstand in der Ukraine geführt, mit äußerster Brutalität, Tausenden Toten, Hunderttausenden von Flüchtlingen, zerstörten Dörfern, Landschaften und Anlagen. Furchtbare Kollateralschäden, von denen der Abschuss des Linienflugzeugs von Malaysian Airlines (MH-17) nur die Spitze des Eisberges darstellt. Die Behauptung, hier schrauben sich Drohung und Gegendrohung gegenseitig hoch, übersieht doch, dass die Russische Seite den Bereich der Drohungen schon längst verlassen hat und die Waffen sprechen lässt. Oder glauben die Unterzeichnenden ernsthaft den Unsinn der Kreml-Propaganda von Soldaten, die sich verlaufen haben, oder in ihren gepanzerten Dienstfahrzeugen Urlaubsfreuden in der Ostukraine genießen? Übertrieben ist der Satz, weil es von Seiten der EU und Nordamerika ja keinerlei Kriegsdrohungen gibt. Die Politik des Westens erfüllt ja gerade die Forderung der Unterzeichnenden auf Punkt und Komma genau: Es solle eine politische Lösung geben, eine militärische Lösung könne gar nicht funktionieren, eine Militärhilfe mit Waffen womöglich sogar Soldaten und Panzern und Flugzeugen wird kategorisch ausgeschlossen. Die andere Seite ist nachweislich mit tausenden von Soldaten, mit Panzern, Artillerie und Raketen im Nachbarland aktiv. Wenn also richtig ist, dass Russland und der Westen gemeinsam Verantwortung tragen, an wem liegt es, dass der Ausstieg aus der Eskalationsspirale nicht gelingt? An wen müssten die Unterzeichnenden ihren Aufruf richten?

Der Ukraine-Konflikt zeigt: Die Sucht nach Macht und Vorherrschaft ist nicht überwunden. 1990, am Ende des Kalten Krieges, durften wir alle darauf hoffen. Aber die Erfolge der Entspannungspolitik und der friedlichen Revolutionen haben schläfrig und unvorsichtig gemacht. In Ost und West gleichermaßen. Bei Amerikanern, Europäern und Russen ist der Leitgedanke, Krieg aus ihrem Verhältnis dauerhaft zu verbannen, verloren gegangen. Anders ist die für Russland bedrohlich wirkende Ausdehnung des Westens nach Osten ohne gleichzeitige Vertiefung der Zusammenarbeit mit Moskau, wie auch die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Putin, nicht zu erklären.
Wenn man die Heile-Welt-Romantik einer Welt ohne Macht- und Interessenkonflikte mal abzieht (ich ertappe mich dabei, innerlich Imagine von John Lennon zu pfeifen), werden in diesem Absatz zwei Dinge miteinander verglichen, die so nicht auf eine Stufe gehören: Die Ausdehnung des Westens nach Osten und die russische Annexion der Krim.
Die Ausdehnung des Westens soll ein Indiz dafür sein, dass der Amerikaner und Europäer nach Vorherrschaft streben, und das Verhältnis zu Russland wieder in kriegerischen Kategorien gesehen haben? Das Gegenteil ist doch richtig: Statt einer kriegerischen Eroberung setzte man auf das Erfolgsmodell europäische Integration. In dieses Konzept wurde Russland einbezogen, gerade auch von Deutschland. Über Deutschland hatte Moskau sogar ein faktisches Vetorecht mitten in der NATO. Wenn man an die Nato-Osterweiterung bis Georgien und die Ukraine denkt oder die geplante Stationierung der Raketenabwehr gegen den Iran: es scheiterte am deutschen Nein. Man hatte breite und sehr gut funktionierende Gesprächskanäle, und immer wenn Russland deutlich gemacht hatte, dass eine Schmerzgrenze erreicht war, konnte es sich darauf verlassen, dass Berlin den manchmal vielleicht etwas hemdsärmelig erscheinenden Plänen der USA einen Riegel vorschob.
Das – so wird der Eindruck erweckt – soll nun eine ähnlich fatale Abwendung vom friedlichen Miteinander sein wie die völkerrechtswidrige Annexion der Krim (immerhin beim Namen genannt), und das weitere militärische Vorgehen in der Ukraine? Hier wird genau der Unterschied verwischt, der doch entscheidend ist: Es gibt keine Welt ohne Konflikte und Interessengegensätze. Es kommt also alles darauf an, mit welchen Mitteln wir sie lösen wollen. Bei einer Schulhofschlägerei fragen wir doch auch zuerst: Wer hat angefangen zu schlagen? Natürlich behauptet der Schläger, der andere habe ihn schließlich geärgert, aber damit lassen wir ihn doch nicht davonkommen! Umgekehrt könnte vielleicht ein Schuh draus werden: In unserer John-Lennon-Stimmung sind wir insofern schläfrig geworden, dass wir übersehen haben, dass Russland nie wirklich aufgehört hat, in geopolitischen Einflusssphären und kriegerischen Optionen zu denken.
In diesem Moment großer Gefahr für den Kontinent trägt Deutschland besondere Verantwortung für die Bewahrung des Friedens. Ohne die Versöhnungsbereitschaft der Menschen Russlands, ohne die Weitsicht von Michael Gorbatschow, ohne die Unterstützung unserer westlichen Verbündeten und ohne das umsichtige Handeln der damaligen Bundesregierung wäre die Spaltung Europas nicht überwunden worden. Die deutsche Einheit friedlich zu ermöglichen, war eine große, von Vernunft geprägte Geste der Siegermächte. Eine Entscheidung von historischer Dimension. Aus der überwundenen Teilung sollte eine tragfähige europäische Friedens- und Sicherheitsordnung von Vancouver bis Wladiwostok erwachsen, wie sie von allen 35 Staats- und Regierungschefs der KSZE-Mitgliedsstaaten im November 1990 in der „Pariser Charta für ein neues Europa“ vereinbart worden war. Auf der Grundlage gemeinsam festgelegter Prinzipien und erster konkreter Maßnahmen sollte ein „Gemeinsames Europäisches Haus“ errichtet werden, in dem alle beteiligten Staaten gleiche Sicherheit erfahren sollten. Dieses Ziel der Nachkriegspolitik ist bis heute nicht eingelöst. Die Menschen in Europa müssen wieder Angst haben.
Kernpunkt dieses Absatzes ist die „tragfähige europäische Friedens- und Sicherheitsordnung“ namentlich die „Pariser Charta für ein neues Europa“ der KSZE. Völlig zu Recht beklagen die Unterzeichnenden, dass die dort getroffenen Vereinbarungen nicht eingehalten wurden. Nur: Wenn darin Menschenrechte, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und unverletzliche Grenzen vereinbart werden, dann ist es gerade Russland nicht gelungen, den Wandel zu vollziehen. Die Länder, die sich entschiedener dem Westen geöffnet haben, sind in großer Zahl erfolgreicher in der Umsetzung gewesen. Diesen Weg wollte die Ukraine jetzt auch gehen. Obwohl sie (gegen Geist und Buchstaben des Budapester Memorandums) massiv unter Druck gesetzt wurde.
 
Wir, die Unterzeichner, appellieren an die Bundesregierung, ihrer Verantwortung für den Frieden in Europa gerecht zu werden. Wir brauchen eine neue Entspannungspolitik für Europa. Das geht nur auf der Grundlage gleicher Sicherheit für alle und mit gleichberechtigten, gegenseitig geachteten Partnern. Die deutsche Regierung geht keinen Sonderweg, wenn sie in dieser verfahrenen Situation auch weiterhin zur Besonnenheit und zum Dialog mit Russland aufruft. Das Sicherheitsbedürfnis der Russen ist so legitim und ausgeprägt wie das der Deutschen, der Polen, der Balten und der Ukrainer.
Das kann ich alles genau so unterschreiben. Ja, Entsprannung funktioniert nur so, wenn man auf Augenhöhe miteinander redet und Länder wie Georgien, Moldawien oder die Ukraine nicht als Hinterhöfe auffasst, in denen man mit militärischen Interventionen demokratische Prozesse aufhalten, stören oder gar umkehren kann. Und solange Sicherheitsbedürfnis nicht in Paranoia ausartet, ist alles gut, vor allem wenn man das seiner Nachbarn eben auch akzeptiert, einschließlich deren freier und demokratischer Entscheidung, welche Sicherheitspartnerschaften sie eingehen wollen.
Obwohl der Wortlaut sich so liest, meinen die Macher dieses Textes etwas anderes: Durch die Blume (mit einer geschickten Verneinung) fordern sie eine Sonderrolle der russischen Sicherheitsbedürfnisse und einen deutschen Sonderweg, sich aus der westlichen Einstimmigkeit zu lösen und Russland entgegen zu kommen. Das wäre ein fataler Fehler, wenn irgendetwas bislang verhindert hat, dass Novorussia bis nach Transnistrien reicht, dann die Einigkeit des Westens.
Wir appellieren an die Medien, ihrer Pflicht zur vorurteilsfreien Berichterstattung überzeugender nachzukommen als bisher. Leitartikler und Kommentatoren dämonisieren ganze Völker, ohne deren Geschichte ausreichend zu würdigen. Jeder außenpolitisch versierte Journalist wird die Furcht der Russen verstehen, seit NATO-Mitglieder 2008 Georgien und die Ukraine einluden, Mitglieder im Bündnis zu werden. Es geht nicht um Putin. Staatenlenker kommen und gehen. Es geht um Europa. Es geht darum, den Menschen wieder die Angst vor Krieg zu nehmen. Dazu kann eine verantwortungsvolle, auf soliden Recherchen basierende Berichterstattung eine Menge beitragen.
Wer sind bitte „die Medien“. Wo werden ganze Völker dämonisiert? Wo fehlt russische Geschichtskenntnis? Wo ist mangelnde Recherche zu beklagen, bei den Kollegen, die sich unter Lebensgefahr bemühen, ein Bild von der Lage vor Ort zu machen, oder bei jenen Emeriti, die vom Wohnzimmersessel aus Apelle verfassen?
Der Absatz strotzt vor Widersprüchlichkeit. Erst wirft er den Medien Dämonisierung eines ganzen Volkes vor, dann spricht er selber von der „Furcht der Russen“. Die Russen haben keine Angst vor uns. Die russische Führung hat Angst. Vor dem eigenen Volk. Vor einem Maidan in Moskau. Deshalb geht es eben doch um Putin. Staatenlenker kommen und gehen, das ist richtig, die Frage ist nur: Wann und auf welche Weise? Und wieviel Unfrieden darf er in Europa stiften, um sich im Sattel zu halten, obwohl seine Versuche die Wirtschaft zu reformieren und die Korruption zu bekämpfen ohne nachhaltigen Erfolg waren. Seitdem paart sich Repression nach innen mit Aggression nach außen. Das muss man doch sehen, wenn man hinsieht.
Die Menschen sollen keine Angst mehr vor dem Krieg haben. Aber selber schürt dieser Aufruf genau diese Angst. Und nicht einmal zu Unrecht. Die militärischen Interventionen Russlands in Europa rücken uns immer näher, und es ist vernünftig, sich Sorgen zu machen.
Am 3. Oktober 1990, am Tag der Deutschen Einheit, sagte Bundespräsident Richard von Weizsäcker: „Der Kalte Krieg ist überwunden. Freiheit und Demokratie haben sich bald in allen Staaten durchgesetzt. … Nun können sie ihre Beziehungen so verdichten und institutionell absichern, dass daraus erstmals eine gemeinsame Lebens- und Friedensordnung werden kann. Für die Völker Europas beginnt damit ein grundlegend neues Kapitel in ihrer Geschichte. Sein Ziel ist eine gesamteuropäische Einigung. Es ist ein gewaltiges Ziel. Wir können es erreichen, aber wir können es auch verfehlen. Wir stehen vor der klaren Alternative, Europa zu einigen oder gemäß leidvollen historischen Beispielen wieder in nationalistische Gegensätze zurückzufallen.“
 
Bis zum Ukraine-Konflikt wähnten wir uns in Europa auf dem richtigen Weg. Richard von Weizsäckers Mahnung ist heute, ein Vierteljahrhundert später, aktueller denn je.
Ja, wer predigt denn europäische Einigung, und wer predigt Nationalismus? Polen hat es geschafft, das Baltikum hat es geschafft, die Tschechen haben es geschafft, die Slowaken, die Ungarn (auch wenn die gerade straucheln). Die Ukraine will es auch schaffen: Den Weg der europäischen Integration zu gehen. Nur Russland hat sich dagegen entschieden. Dort denkt man wieder in Machtblöcken, will mit der Eurasischen Union ein Gegengewicht schaffen, zentral gelenkt aus Moskau, statt konsensorientiert aus Brüssel. So die Völker die freie Wahl haben, lästern sie über die Brüsseler Behäbigkeit, ziehen sie aber dem strammen russischen Diktat vor. Das ist Putins Problem.
Die Situation ist doch die, dass auf halber Strecke die Russische Föderation diesen Prozess einseitig abgebrochen hat und volle Kraft zurück fährt. Ja, das gefährdet den ganzen Prozess, die ganze Friedensordnung, wie Angela Merkel es in aller Deutlichkeit formulierte. Und sie hat recht. Denn niemand von den Unterzeichnenden, hat auch mit nur annähernder Kraft, Konsequenz und Beharrlichkeit den Dialog mit Putin so ernsthaft und ehrlich gesucht wie sie. Auch keiner der atlantischen oder europäischen Partner, übrigens.
Das war Deutschlands Rolle: Das Gespräch suchen, die von russischer Seite bereits auf die Stufe militärischer Intervention geschraubte Eskalationsspirale nicht außer Kontrolle geraten zu lassen. Man hat im Westen Deutschland vertraut. Und Deutschland mit seiner Kanzlerin und ihrem Außenminister wurden von Russland auf herbste Weise brüskiert. Keine der Zusagen wurden eingehalten, Deutschland bewegte die Ukraine zu Zugeständnissen, die von russischer Seite schamlos ausgenutzt wurden. Auch bei offensichtlichen Tatsachen wird dreist gelogen.
Weizsäckers Mahnung befolgen heißt genau das: Keinen deutschen Nationalismus, keine Alleingänge, keine Auflösung der Europäischen und Transatlantischen Bindungen. Ein verlässlicher Partner bleiben, auch für die Ukraine. Und auch für Russland, wenn es sich entscheidet, die militärischen Abenteuer zu beenden, und zu Methoden der Konfliktlösung zurückzukehren, die der Charta von Paris entsprechen.
Das ist nicht zu viel verlangt,
Heidelbaer
 .
Der Aufruf im Original:
.
Weitere lesenswerte Antworten auf diesen Aufruf:
.
.
.
.
Und die Antwort des ukrainischen Botschafters: